Advents-Special: Einmal im Jahr für immer von Sarah Ricchizzi

Liebe Bücherengel,
es gibt Geschichten, die funkeln wie ein Weihnachtsbaum und bringen uns zum Strahlen. Sie sind einzigartig wie eine Schneeflocke und berühren uns zutiefst. Vier dieser ganz besonderen Geschichten möchte ich Euch an den Adventssonntagen vorstellen…

Amelies Geschichte…

Nach dem Tod ihres Ehemanns Mathiew weiß Amelie Red nicht, wie sie weiterleben soll. Sie versinkt gänzlich in ihrer Trauer, zieht sich aus dem sozialen Leben zurück und hat jegliche Hoffnung und Lebensfreude verloren. Doch dann steht plötzlich ein Clown vor ihrer Tür, zieht mitsamt Hüpfburg in ihr Haus ein und bringt im wahrsten Sinne des Wortes Farbe in ihr Leben.

Einmal im Jahr für immer…

Sarah Ricchizzi erzählt eine berührende Geschichte über Liebe, Verlust und Trauer und beweist viel Feingefühl im Umgang mit sensiblen Themen wie Depression und Tod. Amelie ist eine sympathische und authentische Figur, durch ihre finanzielle Situation den alltäglichen Problemen enthoben, hat sie allein mit ihrer Trauer zu kämpfen. Dabei zeigt sich die ganze Bandbreite von Gefühlen, die der Verlust eines geliebten Menschen auslösen kann. Ist Amelie anfangs in ihrer ohnmächtigen Traurigkeit verhaftet, verliert sich zunehmend in Selbstvorwürfen und ist dem eigenen Leben gegenüber gleichgültig geworden, so zeigt sie im weiteren Verlauf Scham, Wut und wieder aufkeimende Lebensfreude. Auch der Clown hat eine berührende Geschichte, die dem Leser die Figur nahebringt und einen vielschichtigen Charakter hinter der Maske offenbart. Bis dahin verfolgt man belustigt die oftmals extremen Aktionen, die der Clown mit stoischer Gelassenheit und diebischer Freude ausführt und die am Ende nur einem Zweck dienen – Amelie zu verdeutlichen, dass ein Weiterleben möglich ist und ihr einen Weg aus der Trauer und selbstgewählten Isolation zu zeigen.

Funkelnder Hoffnungsschimmer…

Einmal im Jahr für immer ist ein emotionaler Roman, der einen zum Lachen und Weinen bringt, schonungslos ehrlich und zugleich hoffnungsvoll und lebensbejahend. Die fantasievollen und verrückten Ideen des Clowns bringen nicht nur Farbe in Amelies Leben, sondern verblüffen und amüsieren auch beim Lesen. Doch der Clown ist so viel mehr als ein spaßiger Störenfried, er lässt Amelie mit ihrer Trauer nicht allein. Eine wunderschöne Geschichte, die hell leuchtet und die Dunkelheit vertreibt…

© Sarah Ricchizzi / neobooks
Einmal im Jahr für immer ist ein Roman von Sarah Ricchizzi und 2017 bei neobooks erschienen.
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Krimi-Auszeit: Das tote Mädchen am Strand von Lara Dearman

Nach einer aufregenden Zeit in London, kehrt Journalistin Jennifer nach Guernsey zurück. Dort möchte sie zur Ruhe kommen, doch als am Strand ein ertrunkenes Mädchen gefunden wird, muss ausgerechnet Jennifer darüber berichten. Die Polizei geht von einem Unfall oder Selbstmord aus, doch Jennifer hat Zweifel und beginnt zu recherchieren. Dabei kommt sie einer Serie von Todesfällen auf die Spur. Im Laufe von Jahrzehnten ertranken immer wieder junge blonde Frauen im Meer und alle trugen dieselben Zeichen auf der Haut…

Laura Dearman ist auf der Insel Guernsey aufgewachsen und die Liebe zu ihrer Heimat ist deutlich erkennbar. Gemeinsam mit Jennifer wandert der Leser durch malerische Straßen, trifft die Bewohner und genießt die Ruhe an der Küste. Geschickt bindet Dearman Legenden und Mythen in die Krimihandlung ein, wodurch der Leser viel über die Geschichte der Insel erfährt.

Der Kriminalfall ist gut konstruiert und überraschend, die Rückblenden und Kapitel aus Tätersicht sind packend und mitunter verstörend. Journalistin Jennifer ist eine sympathische Ermittlerin, die viel Spürsinn und Mut beweist. Die Spannung wird kontinuierlich aufgebaut, bis sich zum Ende hin die Ereignisse fast überschlagen.

Alles in allem ein spannender Inselkrimi mit überraschenden Wendungen, sympathischer Protagonistin und Lokalkolorit.

© Goldmann
Das tote Mädchen vom Strand ist ein Kriminalroman von Lara Dearman und der erste Fall für Jennifer Dorey, übersetzt von Marie-Luise Bezzenberger und 2018 im Goldmann Verlag erschienen.
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Rezension: Geisternächte von André Mumot

Die erfolglose Schauspielerin Kathi Bechstein verdient mit spiritistischen Sitzungen ihr Geld. Als die zehnjährige Sophie vor ihrer Tür steht und sie bittet, mit ihrem ermordeten Bruder in Kontakt zu treten, hat Kathi Bedenken, schließlich ist alles nur Show. Aus Geldnot geht sie dennoch auf Sophies Bitte ein und setzt damit Ereignisse in Gang, die sie schon bald in Gefahr bringen….

Buchgedanken:

André Mumot verknüpft geschickt eine tragische Familiengeschichte mit Spannungselementen und Geistermotiven ohne an Glaubwürdigkeit zu verlieren. Es geht um Familie, Verlust, Schuld und Seelenrettung. Die einzelnen Handlungsstränge sind realistisch und fesselnd und ergeben am Schluss ein stimmiges Gesamtbild. Die Charaktere sind ungewöhnlich und authentisch. Sophie ist ein kluges und introvertiertes Mädchen, das trotz Glasauge mehr sieht als andere. Kathi ist eine rationale und kühle Figur, die jedoch aus Sorge um ihren Bruder unüberlegte Entscheidungen trifft. Kenan ist mit seiner emotionalen und warmherzigen Art ein gelungener Gegenpol.

Fazit:

Eine spannende Geschichte mit überraschenden Wendungen, die aktuelle Entwicklungen und Mystery gekonnt vereint. Ein ungewöhnlicher Roman, der sich in keine Schublade stecken lässt, kunstvoll und fesselnd.

© Eichborn Verlag
Geisternächte ist ein Roman von André Mumot und 2018 im Eichborn Verlag erschienen.
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Fantastische Zugreise: Der Welten-Express von Anca Sturm

Liebe Lesefeen,

habt Ihr einmal bemerkt, wie lehrreich Zugreisen sind? Neben dem einzigartigen Verständnis der Bahn von Zeit und Raum, lernt man viel über Land und Leute, denn eine Person unterhält sich immer lautstark über das Tagesgeschehen, den Gesundheitszustand oder das Wetter. Bei den jungen Passagieren des Welten-Express stehen allerdings spannendere Themen auf dem Lehrplan:
Seit ihr älterer Bruder vor zwei Jahren verschwand, sitzt Flinn Nachtigall Abend für Abend am stillgelegten Bahnhof von Weidenborstel und betrachtet die Postkarte mit seiner letzten Nachricht. Bis jener Zug am Bahnhof hält, der auf der Postkarte abgebildet ist. Ohne lange Überlegung steigt Flinn in den Zug und macht sich auf die Suche nach Jonte…

Anca Sturm erzählt eine fantasievolle und spannende Geschichte über einen magischen Zug und ein Mädchen, das auf der Suche nach ihrem Bruder nicht nur neue Freunde findet, sondern auch viel über sich lernt. Flinn ist eine sympathische Protagonistin, deren Gedanken anfangs ausschließlich um ihren Bruder kreisen, so dass sie ihre neuen Freunde gar nicht zu schätzen weiß. Doch je mehr Zeit Flinn im Welten-Express verbringt, desto mehr fühlt sie sich zugehörig und ist dankbar für die Hilfe ihrer Freunde.
Die Figuren sind gut ausgearbeitet, haben Ecken und Kanten und mehr oder weniger liebenswerte Eigenheiten, so dass es an Bord schon einmal zu Streit und Missgunst kommt, insgesamt vermittelt die Geschichte aber positive Werte.
Der detailreiche und bildhafte Schreibstil lässt die Welt an Bord lebendig werden und die Idee hinter dem fahrenden Internat für außergewöhnliche Kinder ist wunderbar. Wobei die magischen Technologien besonders faszinierend sind, hier beweist Anca Sturm Fantasie und Originalität, denn im Zug gibt es viel zu entdecken, da gerät die Suche nach Jonte schon einmal ins Hintertreffen.

Fazit: Eine abenteuerliche und fantasievolle Geschichte über Familie, Freundschaft, erste Liebe und die spannende Reise in einem magischen Zug.

© Carlsen Verlag
Der Welten-Express ist ein Kinderbuch ab 10 Jahren von Anca Sturm, illustriert von Bente Schlick und 2018 im Carlsen Verlag erschienen.
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