Rezension: Die letzte Reise der Meerjungfrau von Imogen Hermes Gowar

Mr. Hancock ist kein wunderlicher Mensch, hat aber nie die Vorstellung abschütteln können, dass sein Leben vom rechten Kurs abgekommen ist, als seine Frau im Kindbett den Kopf aufs Kissen sinken ließ und ihren letzten, jammervollen Atemzug tat. Es kommt ihm vor, als wäre das Leben, das er hätte führen sollen, in nächster Nähe weitergegangen, nur durch ein bisschen Luft und Zufall von ihm getrennt, und er würde ab und zu wie durch einen wehenden Vorhang einen Blick darauf erhaschen.

Das Ansehen des Kaufmanns Jonah Hancock steigt schlagartig, als eines seiner Schiffe mit einer echten Meerjungfrau an Bord zurückkehrt. Durch diese Sensation steigt Jonah in die obersten Kreise der Gesellschaft auf und verkauft die Meerjungfrau schließlich für eine hohe Summe. Nur die Gunst der Edelkurtisane Angelica Neal kann er nicht gewinnen, denn Angelica fordert als Liebesbeweis eine eigene Meerjungfrau. Jonah setzt alles daran, ihr diesen Wunsch zu erfüllen, ohne Rücksicht auf die Folgen…

Buchgedanken:

Imogen Hermes Gowar erweckt in ihrem Roman das London des 18. Jahrhunderts zum Leben und entwirft das stimmungsvolle Bild einer opulenten und schillernden Stadt. Eine Geschichte über Träume, Leidenschaft und das Streben nach einem besseren Leben, die ihren Zauber nur langsam entfaltet. Ein Roman der leisen Tönen, eingängig geschrieben, bildgewaltig und mit feinem Humor.

Fazit:

Alles in allem ein eindrucksvoller historischer Roman, der vor allem in Bezug auf die Meerjungfrau mit der Erwartungshaltung des Lesers spielt. Eine unterhaltsame, berührende und überraschende Geschichte.

© Bastei Lübbe

Die letzte Reise der Meerjungfrau ist ein Roman von Imogen Hermes Gowar, übersetzt von Angela Koonen und 2018 bei Bastei Lübbe erschienen.

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Rezension: Die Abenteuer der Cluny Brown von Margery Sharp

Sie hat da so einen Artikel in der Zeitung gelesen, dass es den Nerven gut tut und den ganzen Körper belebt, wenn man einen Tag lang im Bett bleibt und nur Orangen isst.

Die junge Cluny Brown lebt nach ihren eigenen Regeln, sie geht zum Nachmittagstee ins Ritz oder verbringt den ganzen Tag Orangen essend im Bett – sehr zum Missfallen ihres Onkels, der sie kurzerhand als Dienstmädchen auf den Herrensitz Friars Carmel in Devonshire schickt. Schon bald stellt Cluny mit ihrer lebenslustigen und unkonventionellen Art das Leben des Landadels auf den Kopf…

Buchgedanken:

Die Abenteuer der Cluny Brown, erstmals 1944 erschienen, ist ein charmantes Zeitzeugnis und eine pointierte Gesellschaftsstudie verpackt in einen unterhaltsamen Roman. Dazu trägt auch der eingängige und elegante Schreibstil von Margery Sharp bei, die so wunderbare Kinderbücher wie Miss Bianca geschrieben hat.
Die Figuren sind sehr gut gezeichnet und authentisch. Clunys erfrischende Art bildet einen herrlichen Kontrast zur britischen Aristokratie und verdeutlicht die gesellschaftlichen Gepflogenheiten der damaligen Zeit mit ihrem starren Rollensystem.

Fazit:

Ein unterhaltsamer Gesellschaftsroman mit einer freigeistigen Protagonistin, die mit ihrer unkonventionellen und lebenslustigen Art bezaubert. Humorvoll, gut beobachtet und mit feinem Spott –  eine charmante literarische Wiederentdeckung ♥

©️ Eisele Verlag

Die Abenteuer der Cluny Brown ist ein Roman von Margery Sharp, übersetzt von Wibke Kuhn und 2018 im Eisele Verlag erschienen.

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Abenteuerreise nach Withering-by-Sea: Stella Montgomery

Liebe Bücherwürmer,

würdet Ihr gerne ins viktorianische Zeitalter reisen? Ein altes Theater auf dem Pier besichtigen? Ein verschollenes Dorf im Moor suchen? Dann begleitet mich nach Withering-by-Sea…

Die 11-jährige Stella lebt mit ihren Tanten im altehrwürdigen Hotel Majestic und fristet ein eintöniges Dasein zwischen Sprachunterricht, Sticken und Benimmregeln. Dabei würde sie viel lieber fremde Länder bereisen und Abenteuer erleben. Eines Nachts beobachtet sie ein mysteriöses Verbrechen und ehe sie sich versieht, befindet sie sich auf der Flucht vor dem gruseligen Professor Stark und seiner Bande…

Judith Rossell erzählt die spannende Geschichte eines Mädchens, das in Gefahr gerät, weil sie versucht das Richtige zu tun. Ein  Abenteuer, das mit seinen magischen und gruseligen Momenten perfekt ins viktorianische Zeitalter passt, dazu tragen auch die atmosphärischen Schauplätze bei, wie das Hotel auf der Klippe und das alte Theater auf dem Pier des verschlafenen Küstenstädtchens. Die originellen Figuren sind  liebevoll gezeichnet und verleihen der Geschichte ihren besonderen Charme. Ein bezauberndes Abenteuer für Jung und Alt.

⭐⭐⭐⭐⭐ Reise

© Thienemann Verlag

Stella Montgomery und die bedauerliche Verwandlung des Mr. Filbert ist ein Abenteuerroman für Kinder ab 10 Jahren von Judith Rossell, übersetzt von Cornelia Panzacchi, 2018 erschienen im Thienemann Verlag und illustriert von Nina Dulleck.

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