Rezension: Die Sterne an unserem Himmel von Mahsuda Snaith

Ravine Roy hat ihr Zimmer seit 10 Jahren nicht mehr verlassen, denn sie leidet am Chronischen Schmerzsyndrom. Kleinste Bewegungen und Berührungen bereiten ihr Qualen. Alles hat mit einem Schicksalsschlag angefangen, der ihr auch ihre beste Freundin Marianne genommen hat. Als ihre Mutter ihr zum 18. Geburtstag ein Tagebuch schenkt, füllt Ravine es mit Erinnerungen an ihre Freundin und schreibt sich langsam zurück ins Leben…

Erinnerungen geben nur vor, sie würden irgendwann verschwinden, aber sie sind immer da. Immer bereit, dich auf dem falschen Fuß zu erwischen, dich daran zu erinnern, dass das Leben nie so einfach ist wie das, womit auch immer du dich gerade herumschlägst.

Buchgedanken:

Mahsuda Snaith hat einen berührenden Roman über ein junges Mädchen geschrieben, das sich aufgrund ihrer Krankheit von ihrer Umwelt isoliert und durch das Schreiben die kritischen Ereignisse in ihrem Leben langsam verarbeitet. Ravine ist geplagt von Schuldgefühlen und Verlassenängsten, in ihrem „Lebebett“ lässt sie die Tage verstreichen und verspürt keine Lust auf soziale Kontakte. Ihre Schmerzen sind spürbar und die Enge im sozialen Wohnungsbau wirkt fast erdrückend. Ravines Leben wird bestimmt durch ihre Krankheit, ihre Mutter ist ihre einzige Bezugsperson, doch je mehr sie sich mit ihrem Erinnerungstagebuch von der Seele schreibt, desto stärker und mutiger wird sie und nähert sich langsam und recht unbeholfen ihrer Umwelt wieder an, während der Leser ihrem Geheimnis und der Ursache ihres Leids auf die Spur kommt.

Fazit:

Eine warmherzige Geschichte über Freundschaft, Schicksalsschläge und die Macht der Gedanken, die zeigt, wie sehr unser Denken die Gefühle und das körperliche Wohlbefinden beeinflusst. Lebensnah geschildert mit authentischen Charakteren und leisem Humor.

© Piper Verlag
Die Sterne an unserem Himmel ist ein Roman von Mahsuda Snaith, übersetzt von Wibke Kuhn und 2018 im Piper Verlag erschienen.
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Rezension: Miss Gladys und ihr Astronaut von David M. Barnett

Durch eine Verkettung unglücklicher Umstände, wird Thomas Major auf eine Mars-Mission geschickt. Für den Misanthrop eine glückliche Fügung, denn er hat das Leben auf der Erde satt. Doch auch im All hat er keine Ruhe. Als er seine Exfrau erreichen will, landet er versehentlich bei der 71-jährigen Gladys, die ihn fortan mehr als einmal kontaktiert. Denn Gladys leidet an fortschreitender Demenz und muss sich zudem um ihre Enkelkinder kümmern, während deren Vater im Gefängnis sitzt. Widerstrebend wird Thomas zum Helfer in der Not…

Sie hat es so lang in sich eingesperrt. Hatte niemanden, mit dem sie reden konnte. Was, wenn sie jetzt einfach alles rauslassen, alle Dämme brechen lassen würde. Die Worte nur so aus ihr heraussprudeln würden.

Buchgedanken:

Miss Gladys und ihr Astronaut ist eine warmherzige, unterhaltsame und lebensbejahende Geschichte, die zeigt, dass man selbst in einer verfahrenen Situation nicht die Hoffnung verlieren sollte. Die Figuren sind vielschichtig und auf ihre eigene Art sympathisch. Thomas hat trotz seiner griesgrämigen Art das Herz am rechten Fleck, Gladys ist eine liebevolle ältere Dame, die mehr unter ihrem Zustand leidet, als sie sich eingestehen möchte und die Kinder müssen für ihr Alter schon viel Verantwortung übernehmen. Besonders Ellie wirkt oft müde und mürrisch, da eine große Last auf ihren Schultern liegt und sie krampfhaft versucht, die Familie zusammenzuhalten und James ist zudem ein Außenseiter, der in der Schule gemobbt wird. Keine einfache Situation, die die Familie durchlebt und so lacht und leidet man mit ihnen und hofft auf ein gutes Ende.

Fazit:

Ein berührender Roman über Familie und Freundschaft, humorvoll, originell und emotional.

© Ullstein Verlag
Miss Gladys und ihr Astronaut ist ein Roman von David M. Barnett, übersetzt von Wibke Kuhn und 2018 erschienen im Ullstein Verlag.
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Rezension: Das Paar aus Haus Nr. 9 von Felicity Everett

Sara und Neil führen mit ihren beiden Söhnen ein beschauliches Leben bis Gavin und Lou mit ihren drei Kindern in das Haus nebenan einziehen. Das Künstlerpaar hat längere Zeit in Spanien gewohnt und besonders Sara ist fasziniert von deren Chic und Weltgewandtheit. Sie bemüht sich um Lous Freundschaft und je enger das Verhältnis zu den Nachbarn wird, desto unzufriedener ist Sara mit ihrem eigenen Leben. Dabei merkt sie gar nicht, wie sehr sie von Lou vereinnahmt wird und sich immer mehr von Freunden und Bekannten distanziert…

Doch was sie an ihrer Freundschaft besonders bereichernd fand, war nicht die intellektuelle Seite, sondern die emotionale. Nach überraschend kurzer Zeit hatte Sara ihrer Freundin Dinge gebeichtet, die sie noch niemandem erzählt hatte, nicht einmal Neil.

Buchgedanken:

Felicity Everett hat einen packenden Roman über Freundschaft und Lebensentwürfe geschrieben, schonungslos ehrlich seziert sie das Leben ihrer Protagonistin und zeigt, wie schnell aus einer Freundschaft eine ungesunde Verbindung entstehen kann. Der Roman besticht durch glaubwürdige Figuren, ein realistisches Geschehen und eine düstere Atmosphäre. Die Neugierde und Faszination von Sara sind nachvollziehbar, ebenso ihre zunehmende Frustration in Bezug auf das eigene Leben. Dabei ist dem Leser schon früh klar, dass diese recht einseitige Freundschaft auf Dauer nicht gutgehen kann und so verfolgt man gebannt, wie Sara sich zunehmend in Selbstzweifeln verliert, sich nicht mehr abgrenzen kann und die Freundschaft erste Risse bekommt.

Ein Roman, der seine Spannung aus der genauen Beobachtung des Beziehungsgeflechts und der Charakterentwicklung gewinnt und zeigt, wie tief der Wunsch nach Anerkennung in einem verwurzelt ist und wie allgegenwärtig das Bestreben ist, aus der Masse hervorzustechen.

© Harper Collins
Das Paar aus Haus Nr. 9 ist ein Roman von Felicity Everett, übersetzt von Olaf Knechten und 2018 bei Harper Collins erschienen.
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