Fernweh-Freitag: Je tiefer man gräbt

Liebe Buchreisende,

passend zur beginnenden Gartensaison geht es heute nach Cornwall – kunstvoll angelegte Parkanlagen, exotische Pflanzen und farbenfrohe Blütenpracht. Die Gärten von Cornwall sind eine Reise wert, allerdings sollten Besucher besser nicht in den Beeten graben: Gärtnerin Mags Blake bekommt den Auftrag, am Tag der offenen Tür in Shelter Gardens, einem Landschaftsgarten aus dem 19. Jahrhundert, Besucher herumzuführen. Als sie den Garten besichtigt, um sich auf die Führungen vorzubereiten, findet sie zufällig eine Kette, die offenbar Emily Franklin, der Verlobten von Thomas Williams, dem zukünftigen Erben von Shelter Gardens, gehörte. Vor acht Jahren verschwand Emily in der Nacht der Verlobungsfeier spurlos und hat sich offenbar mit dem Famileinschmuck abgesetzt. Als am Tag der Besichtigung einer Besucherin die ungewöhnliche Färbung der Hortensienblüten auffällt, ist Mags Neugierde geweckt. Sie beginnt an der Stelle zu graben und stößt dabei auf menschliche Knochen…

Je tiefer man gräbt ist ein kurzweiliger Cornwall-Krimi mit einer eigenwilligen, aber sehr sympathischen Protagonistin. Der Kriminalfall spielt anfangs eine eher untergeordnete Rolle, denn Mary Ann Fox nutzt die Ermittlungen, um ihre Figuren und das Dorf Rosehaven mitsamt seinen wunderschönen Gärten vorzustellen. Dabei gelingt es ihr ausgesprochen gut, sowohl die Mentalität der Region, als auch die Feinheiten der Gartenbaukunst zu vermitteln, ohne dabei zu sehr ins Detail zu gehen. Die Charaktere sind authentisch und überzeugend, der Kriminalfall ist realitätsnah und schlüssig. Die Spannung entwickelt sich langsam, steigt aber bis zum Ende stetig an.
Ein unterhaltsamer und spannender Wohlfühl-Krimi mit sympathischen Charakteren und toller Kulisse.

⭐⭐⭐⭐ – Reise

© Aufbau Verlag

Je tiefer man gräbt ist ein Cornwall-Krimi von Mary Ann Fox, 2018 erschienen im Aufbau Verlag und der erste Fall für Mags Blake.

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Krimi-Auszeit: Lauter Leichen

Liebe Spürnasen,

der Schein kann bekanntlich trügen und so frage ich mich manchmal, wenn ich am Elbstrand spazieren gehe, ob sich hinter den vollendeten Fassaden der Villen nicht gerade ganz alltägliche Dramen abspielen. Und welche Abgründe würden sich dann erst in den traumhaften Gärten auftun? Offenbar ziemlich mörderische: Elli Gint wird verdächtigt ihren Ex-Freund Peter ermordet zu haben. Bei den Ermittlungen stößt Kommissar Hiob Watkowski auf weitere Leichen, zudem wurde Peter mit der Waffe erschossen, die bereits achtzehn Jahre zuvor Ellis Vater Konrad niederstreckte. Der damalige leitende Kommissar Josef Watkowski tippte auf Ellis Mutter Martha als Täterin. Tage später wurde er jedoch das Opfer eines Unfalls mit Fahrerflucht und die Ermittlungen gegen Martha liefen ins Leere. Hiob hingegen vermutet Mord und hat daher noch ein persönliches Hühnchen mit der Familie Gint zu rupfen. Enthusiastisch und nicht immer gesetzeskonform heftet er sich an die Fersen der Damen. Elli, Mutter Martha und Oma Frieda müssen sich einiges einfallen lassen, um Watkowski von ihrer Spur abzubringen…

Zarah Philips erzählt eine Familiengeschichte der tödlichen Art, mit skurrilen Ideen, Situationskomik und einer gehörigen Portion schwarzen Humors. Die Krimihandlung ist komplex, aber gut durchdacht und wird schlüssig und überraschend aufgelöst. Die Figuren sind allesamt originell, gut gezeichnet und mitunter herrlich schräg. Das macht Lauter Leichen zu einem rundum gelungenen Krimi-Spass – spannend, temporeich und unterhaltsam.

©️ Midnight!

Lauter Leichen ist ein Kriminalroman von Zarah Philips, 2018 erschienen bei Midnight.

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Fernweh-Freitag: Höllenjazz in New Orleans

Liebe Buchreisende,

in dieser Woche geht es nach New Orleans im Jahre 1919 – damals wie heute eine lebendige Jazz-Metropole: Eine Mordserie versetzt die Stadt in Angst und Schrecken. Der Mörder tötet seine Opfer mit einer Axt und hinterlässt Tarotkarten als Markenzeichen. Detective Michael Talbot ist mit dem Fall betraut und steht unter großem öffentlichen Druck. Der ehemalige Polizist Luca D’Andrea sucht im Auftrag der Mafia ebenfalls nach dem Axeman. Und Ida, die Sekretärin der Pinkerton Detektivagentur, sowie der Journalist James Riley gehen eigenen Spuren nach. Als sie der Identität des Axeman näherkommen, fordert der Killer die Bewohner von New Orleans heraus:

Spielt Jazz – sonst komme ich, um euch zu holen….

Ray Celestin verbindet in seinem Debütroman gekonnt Fakten mit Fiktion und zeichnet ein stimmungsvolles und authentisches Bild New Orleans in den 20er Jahren, ein Schmelztiegel der Kulturen, geprägt von Jazz, Korruption und Rassismus. Dem Kriminalfall diente eine der geheimnisvollsten Mordserien der amerikanischen Kriminalgeschichte als Vorlage, dieser wird aus vier unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet, wodurch sich ein interessantes Gesamtbild ergibt. Jedoch verliert der Roman durch den häufigen Wechsel der Perspektive an Spannung, zudem legt Celestin das  Hauptaugenmerk auf das Privatleben der Protagonisten und das Leben in New Orleans, wodurch der Kriminalfall in den Hintergrund rückt.

Fazit: Ein stimmungsvoller Roman mit einer gelungenen Mischung aus Fakten und packender Fiktion, streckenweise etwas langatmig geraten, aber durchaus spannend und überzeugend konstruiert.

⭐⭐⭐⭐ – Reise

© Piper Verlag

Höllenjazz in New Orleans ist ein Roman von Ray Celestin, übersetzt von Elvira Willems und 2018 im Piper Verlag erschienen.

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Tour de Force: Die Rache der Polly McClusky

Liebe Büchereulen,

manche Bücher treffen ins Mark. Das Debüt von Jordan Harper ist so ein Buch – fesselnd, temporeich und verstörend: Kurz vor seiner Entlassung hat sich Nate McClusky im Gefängnis einen mächtigen Feind gemacht, woraufhin die Gang Aryan Steel einen Tötungsbefehl für ihn und seine Familie erteilt. Seine Exfrau wurde bereits getötet, seine 11jährige Tochter Polly kann Nate gerade noch rechtzeitig aus der Schule abholen. Auf der Flucht durch Kalifornien werden Vater und Tochter zu einem starken Team. Nates Kampftraining macht aus dem schüchternen Mädchen eine selbstbewusste Kämpferin und durch Pollys Scharfsinn sind sie ihren Verfolgern immer einen Schritt voraus. Doch Nate setzt alles daran, dass Polly wieder ein Leben ohne Angst führen kann….

Jordan Harper erzählt die packende Geschichte einer Vater-Tochter-Beziehung, die sich aus einer Extremsituation entwickelt. Während Nate anfangs aus reinem Pflichtgefühl handelt, wird er immer mehr zu einem Vater, der bereit ist, alles zu tun, um seine Tochter zu beschützen. Polly hingegen wird ihrer Kindheit gewaltsam entrissen und stellt sich der Situation mit geradezu befremdlicher Kampfbereitschaft, lediglich mit ihrem Teddybären gesteht sie sich kindliche Momente zu. Die Geschichte wird aus unterschiedlichen Blickwinkel erzählt, wobei Harper den Nebenfiguren eine rohe, verwahrloste und desillusionierte Stimme gibt, wodurch ein bedrohliches Gesamtbild entsteht. Vater und Tochter sind auf der Flucht, ohne Hoffnung auf Hilfe, der sozialen Norm enthoben, die Gegner brutal und ohne Skrupel.

Ein packender und temporeicher Roman mit vielschichtigen Charakteren und einer spannenden Geschichte, erzählt in einer direkten Sprache, die sowohl berührt als auch verstört.

⭐⭐⭐⭐⭐ – Roadtrip

© Ullstein

Die Rache der Polly McClusky ist ein Roman von Jordan Harper, übersetzt von Conny Lösch und 2018 erschienen im Ullstein Verlag.

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