Rezension: Super und dir? von Kathrin Weßling

Man sieht nicht, wie das Mädchen ertrinkt, ganz im Gegenteil. Es reitet die Wellen, während der Sturm aufzieht, und es lächelt, es winkt den anderen zu, schon viel zu weit vom Strand entfernt, Wasser in den Lungen, Wasser im Kopf, und ruft: Alles in Ordnung, es geht mir sehr,sehr gut!

Marlene Beckmann geht es super, sie hat einen tollen Job und ist glücklich mit ihrem Freund. Marlene ist nicht überfordert, in einer Beziehungskrise oder hat ein Drogenproblem, denn wenn sie nur oft genug sagt, dass es ihr gut geht, glaubt sie es irgendwann selbst. Bis ihr Freund alleine nach Teneriffa fliegt, da ihr Urlaub nicht genehmigt wurde und ihre Fassade zu bröckeln beginnt…

Buchgedanken:

Schonungslos ehrlich erzählt Kathrin Weßling die Geschichte einer Frau, der das eigene Leben entgleitet und die krampfhaft versucht, den Schein zu wahren. Marlene ist überfordert, leidet unter Panikattacken und betäubt die innere Leere mit Drogen. Ihre Angst und Verzweiflung, die unter der Oberfläche brodeln, sind spürbar und zuweilen schmerzhaft. Man möchte sie wahlweise schütteln, umarmen oder ihre Drogen das Klo runterspülen.

Fazit:

Ein bewegender Roman, der einen ungeschönten Blick auf die moderne Arbeitswelt wirft, in der Mitarbeiter zu Höchstleistungen angetrieben werden und fernab jeglicher work-life-balance nur noch fremdbestimmt funktionieren.

© Ullstein Verlag

Super und dir? ist ein Roman von Kathrin Weßling und 2018 im Ullstein Verlag erschienen.

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Krimi-Auszeit: Tiefer denn die Hölle

Liebe Spannungsleser,

am 21. Dezember 2018 schließt die Zeche Prosper-Haniel, das letzte aktive Steinkohlenbergwerk im Ruhrgebiet. Damit geht eine Ära zuende, denn die Region war über ein Jahrhundert auf die Kohleförderung ausgerichtet. Als Kind des Ruhrgebiets war ich mehr als einmal unter Tage und erinnere mich noch gut an die erhabene Stille, die Wärme und das beklemmende Gefühl, das sich zwangsläufig einstellt, sobald man in den Grubenbau gelangt. Eine klaustrophobische Atmosphäre, die Peter Gallert und Jörg Reiter in ihrem Kriminalroman sehr gut widerspiegeln: Polizeiseelsorger Martin Bauer wird zu einem Einsatz in einem stillgelegten Bergwerk gerufen. Dort wurde eine mit Honig übergossene Leiche gefunden. Sein Amtskollege Polizeidekan Rüdiger Vaals sollte die Betreuung vor Ort übernehmen, hat jedoch beim Anblick der Leiche einen Herzinfarkt erlitten. Kannte er den Toten? Während Vaals im Krankenhaus liegt, geht Bauer der Sache nach…

Tiefer denn die Hölle überzeugt mit einem spannenden Kriminalfall und sympathischen Ermittlern. Martin Bauer und Verena Dohr sind Figuren mit Ecken und Kanten, Bauer überschreitet gerne einmal seine Kompetenzen und Dohr muss sich gegen intrigante Kollegen behaupten, beide haben private Probleme, die jedoch nicht überhand nehmen oder den Kriminalfall in den Hintergrund drängen. Die Ermittlungen sind realitätsnah und nachvollziehbar, der Kriminalfall ist packend und wird schlüssig aufgelöst.

Fazit: Ein spannender und gut komponierter Krimi mit vielschichtigen Figuren und interessanten Schauplätzen.

⭐⭐⭐⭐ – Reise

©️ Ullstein Verlag

Tiefer denn die Hölle ist ein Kriminalroman von Peter Gallert und Jörg Reiter, 2018 erschienen im Ullstein Verlag und der zweite Fall für Martin Bauer.

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