Rezension: Die Stadt der verbotenen Träume von Emmi Itäranta

Diese Nacht ist anders. Der Schlaf im Haus ist leicht, denn auf den Steinen des Platzes trocknet fremdes Blut. Der Sand rieselt langsam durch die Stundengläser. Nach und nach verstummen das Hüsteln, die Schritte und die heimlich gewechselten Worte. Jedes Mal, wenn meine Augen sich schließen, sehe ich das Mädchen vor mir. Obwohl ich weiß, dass der Angreifer weit weg sein muss, ist jeder Schatten an der Wand dunkler als gewöhnlich.

Eliana ist eine Weberin im Haus der Spinnweben. Pflichtbewusst geht sie ihrer Tätigkeit nach, doch insgeheim kann sie viel mehr als weben, denn sie hat gelernt zu lesen und zu schreiben und sie träumt. Eine Fähigkeit, die der Rat der Inselstadt strengstens verboten hat, Träumer werden geächtet und in das Haus der Befleckten verbannt. Eines Tages wird ein junges Mädchen bewusstlos aufgefunden. Der einzige Hinweis auf ihre Identität ist ein Wort, das auf ihre Handfläche tätowiert wurde: Eliana. Als Eliana sich dem Geheimnis des Mädchens nähert, läuft sie Gefahr, dass ihr eigenes Geheimnis zu Tage tritt …

Buchgedanken:

Emmi Itäranta hat eine düstere und zugleich faszinierende Welt geschaffen, in der Träume verboten sind, die Entscheidungen des omnipräsenten aber gesichtslosen Rates nicht infrage gestellt werden und die Hoffnung im Verborgenen glimmt, ähnlich den Leuchtgläser, die auf der Insel als Lichtquelle dienen. Ein detailreicher und komplexer Mikrokosmos, in dem es viel zu entdecken gibt und dessen Ordnung anfangs schwer zu durchschauen ist, aber nichtsdestotrotz eine fantastische Welt, in die der Leser voller Spannung eintaucht. Eliana ist eine sympathische und authentische Protagonistin, deren Entwicklung man gebannt verfolgt. Auch die Nebenfiguren sind sehr gut gezeichnet, originell und glaubwürdig. Itäranta erzählt die Geschichte auf eine tiefgründige, zuweilen poetische Art und Weise und erschafft eine mitunter bedrohliche Atmosphäre von Licht und Schatten.

Fazit:

Eine fantasievolle, spannende und traumwandlerische Geschichte, die am Ende viel Raum für eigene Gedanken lässt. Wer originelle Fantasy mit einer gut durchdachten Geschichte und einer starken Protagonistin mag, wird von diesem Roman begeistert sein.

© Arctis Verlag

Die Stadt der verbotenen Träume ist ein Fantasy-Roman von Emmi Itäranta, übersetzt von Gabriele Schrey-Vasara und 2017 erschienen im Arctis Verlag.

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Rezension: Celfie und die Unvollkommenen von Boris Pfeiffer

Das Mädchen aus Farbek lauschte in sich hinein und spürte, dass etwas in ihr, ganz tief von innen, pochte und schlug. Es fühlte sich an, als trommelte etwas beharrlich gegen eine Gefängniswand, auf der Suche nach einem Weg in die Freiheit. Es machte die Dunkelkeit, die sie vorhin noch in sich gefühlt hatte, kleiner und schwächer.

Celfie Madison kommt aus Farbek, dem Reich der Fantasie, und ist ein Mensch gewordener Gedanke. Mit ihren gletscherfarbenen Augen kann sie Graffiti lebendig machen. Ihr Denker, der skrupellose Geschäftsmann Glenn Single Despott, verfolgt einen finsteren Plan. Er will die Gedanken der Menschen beherrschen und Celfie dafür benutzen. Doch Celfie flüchtet aus Glenns Kommandozentrale und findet sich auf der Erde wieder. Dort erweckt sie die gesprayte Maus Flusch zum Leben. Gemeinsam mit dem Sprayer Kyle und weiteren Graffiti-Tieren, versuchen sie Glenns Plan zu vereiteln…

Buchgedanken:

Boris Pfeiffer erzählt eine märchenhafte Geschichte über die Macht der Fantasie, Zusammenhalt und das Erkennen der eigenen Stärken, voller liebenswerter Figuren und origineller Ideen. Celfie ist eine sympathische und starke Heldin, das personifizierte Gute, Glenn Despott ein gelungener, machtgieriger Gegenspieler. Die Geschichte ist unterhaltsam, spannend und tiefsinnig.

Fazit:

Ein Roman, der mit zauberhaften Figuren und Einfallsreichtum überzeugt und ein fantasievoller Lesespass für Jung und Alt.

© Kosmos Verlag

Celfie und die Unvollkommenen ist ein Roman von Boris Pfeiffer für Leser ab 11 Jahren, 2017 erschienen im Kosmos Verlag.

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Rezension: Nachtwild von Gin Phillips

»Wenn sie uns umbringen, kommt unser Körper dann in den Himmel? « »Die Seele kommt in den Himmel.« »Achja« haucht er.

Joan verbringt den Nachmittag mit ihrem vierjährigen Sohn Lincoln im Zoo. Als sie sich auf dem Weg zum Ausgang befinden, fallen plötzlich Schüsse, Menschen liegen regungslos am Boden. Joan und ihr Sohn können der Situation ungesehen entkommen und verstecken sich in einem leeren Gehege. Doch die Gefahr ist noch nicht gebannt, denn der oder die Täter machen sich auf die Suche nach Überlebenden…

Buchgedanken:

Gin Phillips hat einen packenden Roman geschrieben über eine Mutter, die in einer lebensbedrohlichen Situation das Wohlergehen und die Bedürfnisse ihres Sohnes über alles stellt. Für einen Thriller fehlt es der Geschichte an atemloser Spannung, da sich Hauptfigur Joan zuweilen in Erinnerungen und Reflexionen verliert. Zudem wurde das Potential des Schauplatzes nicht ganz ausgeschöpft, bedrohliche Begegnungen mit Tieren bilden die Ausnahme, die gespenstische Atmosphäre eines Zoos bei Nacht schimmert nur gelegentlich durch, dafür findet sich Joan zu gut auf den dunklen Wegen zurecht. Dennoch ist Nachtwild eine spannende und nervenaufreibende Geschichte, denn die Angst von Joan ist spürbar. Ihre Anstrengung, die Fassung zu bewahren und ihre Bemühungen, ihr Kind, das sie durch eine unbedarfte Handlung in Gefahr bringen könnte, ruhig zu halten, zerren an den Nerven und tragen ebenso zur Spannung bei, wie die unbekannte Bedrohung durch die Täter.

Fazit:

Ein spannender Roman mit kleineren Logiklücken, der sein Potential nicht ganz ausschöpft, aber dennoch mit einer nervenaufreibenden Story für packende Lesestunden sorgt.

©️ dtv Verlag

Nachtwild ist ein Thriller von Gin Phillips, übersetzt von Susanne Goga-Klinkenberg und 2018 beim dtv erschienen.

 

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Alltagsflucht #1: Eine verliebte Kuh, eine magische Karte und ein Strauß in geheimer Mission

Liebe Buchtaucher,

manche Geschichten sind so fantasievoll, dass sie einen den Alltag schnell vergessen lassen. Der neue Roman von Julie Berry ist so ein Rückzugsort: Das Reich Camellion steht Kopf, denn der Kaiser ist kurz vor der Krönung mitsamt seinem königlichen Strauß verschwunden. Wurden sie entführt oder hat der Kaiser kalte Füße bekommen? Die junge Begonia ist auf der Suche nach einem ganz anderen Ausreißer – ihre Lieblingskuh Afalfa ist entlaufen. Sie folgt ihrer Spur und landet mitten in einem unglaublichen Abenteuer…

Julie Berry erzählt die abenteuerliche Geschichte einer schicksalshaften Suche, ein Roman voll überbordender Fantasie und aberwitzigen Ideen. Die Figuren sind liebevoll gezeichnet und zuweilen herrlich skurril, die Geschichte ist originell und dabei sehr  unterhaltsam. Ein modernes Märchen über Freundschaft, Schicksal und Verantwortung, humorvoll erzählt und einfach bezaubernd. Eine magische Geschichte zum Eintauchen!

⭐⭐⭐⭐⭐ – Alltagsflucht

©️ Thienemann Verlag

Eine verliebte Kuh, eine magische Karte und ein Strauß in geheimer Mission ist ein Fantasy-Roman für Kinder ab 10 Jahren von Julie Berry, übersetzt von Maximilian Meinzold und 2018 im Thienemann Verlag erschienen.

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