Im Rampenlicht: Antonio Tabucchi

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Antonio Tabucchi wurde 1943 in Vecchiano bei Pisa geboren und verstarb 2012 in Lissabon. Er studierte italienische Literatur in Paris und Pisa, spezialisierte sich auf portugiesische Literatur und war Professor für portugiesische Sprache und Literatur in Genua und Siena. Er fand über die Malerei und das Kino zum Erzählen, zu seinen bevorzugten Autoren zählten Joseph Conrad, Henry James und Gabriel García Márquez, sein großes Vorbild war Fernando Pessoa. Tabucchi arbeitete als Übersetzer, Kritiker und Essayist und wurde für sein Werk mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem österreichischen Staatspreis für europäische Literatur.

 Werke (Auswahl) 
  • Piazza Italia, Roman 1975
  • Der kleine Gatsby, Erzählungen 1981
  • Indisches Nachtstück, Erzählung 1984
  • Der Rand des Horizonts, Roman 1986
  • Lissabonner Requiem, Roman 1991
  • Erklärt Pereira, Roman 1994
 Merkmale 
  • minimalistischer Schreibstil
  • sorgfältige Auswahl an Details
  • Verweise auf eigene Texte
  • Filmzitate und Anspielungen auf fremde Texte
  • Spiel mit Klischees der Trivialliteratur
  • Mystifizierung und Verrätselung von Alltäglichem
 Zentrale Themen 
  • Selbstfindung auf Reisen und an fremden Orten
  • Identitätssuche und Selbsterkenntnis durch menschliche Begegnungen

Warum lesen? 

Tabucchi wollte seine Leser zum Nachdenken bringen, seine rätselhaften Texte sprechen die Neugierde des Lesers an und lassen eine Vielzahl an Deutungsmöglichkeiten zu. So wird das Lesen zur literarischen Spurensuche, einiges wird angedeutet, manches verschwiegen, anderes mystifiziert und wer genau hinschaut, entdeckt eine Fülle an Verweisen auf Kunst, Literatur und Film.

Pflichtlektüre ist sein bekanntester Roman Erklärt Pereira, der mit Marcello Mastroianni in der Hauptrolle verfilmt wurde: Der bisher unpolitische Kulturjournalist Pereira gerät 1938 in die Mühlen der portugiesischen Diktatur. Denn er versteckt einen Widerstandskämpfer und ist zwischen Widerstreben und Anteilsnahme hin und her gerissen. Pereira erwacht aus seiner Lethargie und folgt seinem Gewissen…

Ich bin zu der Überzeugung gelangt, daß wir nicht eine einzige Persönlichkeit besitzen, wir haben viele Persönlichkeiten, die unter der Vorherrschaft eines hegemonischen Ichs nebeneinander existieren.

Mein Lieblingsbuch ist Der Rand des Horizonts, ein rätselhafter und atmosphärischer Pseudokriminalroman mit vielen Anspielungen auf Gangsterfilme: In der Leichenhalle wird ein junger Mann eingeliefert, der bei einer Hausdurchsuchung erschossen wurde. Spino, der gescheiterte Medizinstudent und Amateurdetektiv, macht sich auf die Suche nach seiner Identität…

Und ihm war, als ob auch die Sterne müde wären und er verspürte den Wunsch, es würde für alles, was existiert, eine Ausnahme geben, wie einen Aufschub oder ein Vergessen.

♥ Mila

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