Fernweh-Freitag: Ein dänisches Verbrechen


Liebe Buchreisende,

diese Woche geht es nach Marielyst, einem idyllischen Ferienort auf der dänischen Insel Falster, beliebt für seine schönen Sandstrände mit ruhigem Wasser. Die 514 km² große Insel Falster  ist bekannt für herrliche Buchenwälder, historische Denkmäler und Gebäude sowie eine bis zu 12 Meter hohe Steilküste mit atemberaubendem Blick über die Ostsee.

Da die Insel bei Urlaubern sehr beliebt ist, gibt es eine Vielzahl an gemütlichen Ferienhäusern, von denen eins das neue Zuhause der Halbdänin Gitte Madsen wird. Nach dem Tod ihrer Mutter und der Trennung von ihrem Freund, kehrt sie zurück ins beschauliche Marielyst, um dort ihren neuen Job als Bestatterin anzutreten. Allerdings verläuft ihr neues Leben anders als gedacht, denn an ihrem ersten Abend findet sie eine Leiche auf der Terasse ihres Hauses. Ein junger Mann, der ihr bereits auf der Fähre von Puttgarden aufgefallen ist. Dass er tot vor Gittes Tür liegt, kann kein Zufall sein und was hat es mit den Wikingerrunen auf sich, die dem Toten in die Haut geritzt wurden? Gitte stellt eigene Nachforschungen an und kommt damit dem einheimischen Kommissar Ole Ansgaard gehörig in die Quere…

Frida Gronover versteht es ausgezeichnet, die dänische Lebensart zu vermitteln. Gemeinsam mit Gitte erkundet der Leser die Insel, beobachtet die Urlauber, probiert sich durch regionale Köstlichkeiten und lernt die Bewohner des Ortes näher kennen. Gitte ist eine einfühlsame und selbstbewußte Protagonistin, die sich trotz dänischer Wurzeln in ihr neues Leben einfinden muss und dabei interessante Einblicke in die dänische Mentalität gewährt. Der Kriminalfall ist gut durchdacht und realitätsnah, die Figuren sind vielschichtig und authentisch.
Ein geruhsamer Krimi, der mit einer sympathischen Protagonistin, dänischem Flair und idyllischer Atmosphäre überzeugt. Unterhaltsam, spannend und charmant – ein wunderbarer Urlaubskrimi nicht nur für Dänemark-Urlauber.

© Ullstein Verlag
Ein dänisches Verbrechen ist ein Kriminalroman von Frida Gronover und der erste Fall für Gitte Madsen und Ole Ansgaard, 2018 erschienen im Ullstein Verlag.

Urlaubslektüre gesucht?

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Krimi-Auszeit: Inspektor Takeda und der lächelnde Mörder

Liebe Spannungsleser,

greift Ihr auch so gerne zu Kriminalromane, die an Orten spielen, die Ihr kennt? Für mich erhöht dies den Lesespass, denn wenn ich die Stadt gut kenne, habe ich immer genau vor Augen, wo sich die Ermittler gerade befinden. Falls Ihr schon das ein oder andere Mal in der schönsten Stadt der Welt wart, kann ich Euch die Hamburg-Krimis von Henrik Siebold empfehlen…

Auf einem Hamburger S-Bahnhof fällt eine Frau auf die Gleise und wird von einem Zug erfasst. Am Bahnsteigrand steht ein junger Mann und blickt mit entrücktem Lächeln auf die eigenen Hände. Hat er die Frau gestoßen? Inspektor Kenjiro Takeda und Hauptkommissarin Claudia Harms nehmen die Ermittlungen auf. Simon, der Sohn eines bekannten Senators, ist ein Einzelgänger und wird in der Schule gemobbt. Wollte er endlich einmal Täter und nicht Opfer sein? Im Präsidium leugnet Simon jedoch die Tat. Die Zeugenaussagen sind nicht eindeutig, ebenso die Videoaufzeichnungen aus dem Bahnhof, daher müssen Takeda und Claudia den Verdächtigen aus der Untersuchungshaft entlassen. Doch wenig später wird in einem Kino während der Spätvorstellung ein Mann erdrosselt. Wieder ist Simon in der Nähe…

Buchgedanken:

Inspektor Takeda und der lächelnde Mörder überzeugt mit einem spannenden Kriminalfall, interessanten Einblicken in die japanische Kultur und einem kongenialen Ermittlerteam. Der feinsinnige und stilvolle Takeda mit seiner Vorliebe für Jazz und die taffe Claudia, die mit ihrer direkten Art öfters aneckt, aber immer mit Herz und Verstand bei der Sache ist, ergänzen sich wunderbar und liefern sich dabei unterhaltsame Wortgefechte. Zudem betrachten sie das Verbrechen aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln, was den Reiz und Charme dieser Reihe ausmacht. Während Claudia mit den Hamburger Eigenheiten vertraut ist und auf ihr Bauchgefühl vertraut, reflektiert Takeda das Geschehen und zieht Vergleiche zur japanischen Kultur. Geschickt bindet Henrik Siebold interessante Informationen zu Mangas, Schwertkunst und dem japanischen Schulsystem in die Handlung ein, ohne dabei den Kriminalfall aus den Augen zu verlieren. Dieser ist brisant, realitätsnah und überraschend bis zum Schluss.

Fazit:

Ein spannender und unterhaltsamer Kriminalroman mit einem interessanten und sympathischem Ermittlerteam, der zudem eine Fülle von Einblicken in die japanische Kultur gewährt und die deutsche Lebensart aus Sicht eines Ausländers zeigt, was den Lesegenuss noch erhöht.

© Aufbau Verlag
Inspektor Takeda und der lächelnde Mörder ist ein Kriminialroman von Henrik Siebold und der dritte Fall für Claudia Harms und Inspektor Takeda, 2018 erschienen im Aufbau Verlag.
Mehr spannende Lektüre….
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Seitenblätter-Samstag: Fundstücke

Liebe Bücherfreunde,

heute blättere ich in Büchern, die schon etwas länger auf meinem SuB liegen und bei denen ich mir unschlüssig bin, ob ich sie überhaupt noch lesen mag…

Rowan Coleman: Wolken wegschieben

Inhalt: Manchmal hat Willow Briar das Gefühl, unter einer dicken Regenwolke zu leben. Sie könnte es darauf schieben, dass sie ein paar Pfunde zu viel auf die Waage bringt. Oder dass sie verlernt hat zu lieben. Oder dass ihre skrupellose Chefin sie als ihre Leibeigene betrachtet. Doch der eigentliche Grund für ihre Unzufriedenheit liegt tief in ihrer Vergangenheit. Willow weiß: Sie muss etwas ändern und ihre Dämonen besiegen. Denn nur Verlierer stehen im Regen – aber wahre Gewinner schieben die Wolken einfach weg.
© Piper Verlag

Definitiv ein Cover-Kauf, außerdem war ich nach Einfach unvergesslich und Zwanzig Zeilen Liebe gespannt auf den neuen Roman von Rowan Coleman, allerdings fürchte ich, dass mir die Geschichte vielleicht zu seicht und klischeehaft ist, daher liegt das Buch wie Blei in meinem Regal…

Willow war kein großer Fan von Freitagen. Jeder Freitag war das Ende einer Woche, das Ende einer sinnvollen Tätigkeit, für die es sich lohnte, morgens aufzustehen, sich anzuziehen und mit Leuten zu reden.

Antonia Michaelis: Friedhofskind

Inhalt: Siri verbringt einen Sommer in einem kleinen Küstendorf, in dem vor dreißig Jahren unter mysteriösen Umständen ein Kind ertrank. Die Bewohner des Dorfes reden nicht gern darüber – genauso wenig wie über den Totengräber, der angeblich mit den Seelen der Verstorbenen spricht. Oder darüber, dass man sich gut mir ihm stellen sollte, wenn man die Toten nicht gegen sich aufhetzen will. Siri drängt tief in die dunklen Geheimnisse des Dorfes ein. Und stößt dabei auf das Unfassbare…
© Emons Verlag

Mysteriöse Geschehnisse in einem kleinen Fischerdorf, das könnten spannende Lesestunde werden, aber bei fast 500 Seiten ist da der Zweifel, ob die Geschichte nicht zwischendurch abschweift…

Lenz hörte nicht, was die Fensterfrau antwortete, die Motoren verschluckten jedes weitere Wort. Und als sie verstummten, als die Fischerboote am Steg anlegten, zupfte jemand ihn am Hemd. Hinter ihm im Schilf stand Iris. Der Morast reichte ihr bis zu den Knien.

Thomas Finn: Schwarze Tränen

Inhalt: Im »Gasthaus zum Löwen« in Staufen findet Lukas Faust, Nachfahre des berühmten Doktor Faust, ein mittelalterliches Zauberbuch. Als er einen kostbaren Diamanten aus dem Einband herausbricht, geht auf einmal ein Froschregen über der Stadt nieder, und die Jagd auf ihn wird eröffnet. Erst der schwarze Pudel Mephistopheles, der sich als Teufel persönlich entpuppt, rettet ihn. Mephisto erklärt ihm, dass in der Hölle ein Machtkampf tobt. Wer die drei Teufelstränen besitzt, von denen Lukas’ Diamant eine ist, vermag die Apokalypse heraufzubeschwören. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, denn die zwei müssen die übrigen Tränen vor ihren Verfolgern finden.
© Knaur Verlag

Klingt nach einem teuflich guten Buch, zudem hat mir Mordstrand gut gefallen, daher werde ich das Buch wohl auf den WTR-Stapel packen.

Das unheimliche Geläut wurde immer tiefer und beängstigender. Ohne mitgezählt zu haben, wusste Lukas, dass sie inzwischen zum zehnten Mal geschlagen hatte. Seine Verfolger brüllten, Abrupt wechselte Lukas die Richtung, und obwohl ihm Sylvias Anweisung vollkommen irrwitzig vorkam, stürmte er auf eine der Wohnungstüren zu. Er erreichte sie mit dem dreizehnten Glockenschlag, wiss sie auf – und stolperte kopfüber in die Finsterniss.

Kennt Ihr die Bücher? Welches muss ich unbedingt lesen? Lasst es mich gerne wissen…

Ein schönes Wochenende

♥ Mila

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Fernweh-Freitag: Ein Gentleman in Arles

Liebe Buchreisende,

es ist wieder Fernweh-Freitag und diese Woche geht die Reise nach Arles, eine Stadt in der Provence am nördlichen Rand der Camargue und des Massif des Alpilles, vor deren Toren sich das Rhone-Tal erstreckt. Bekannt ist Arles vor allem für Vincent Van Gogh und die Stierkämpfe in der römischen Arena. Van Gogh hatte in Arles seine produktivste Schaffensphase und fertigte mehr als 300 Werke in 15 Monaten. Die Arena wurde im Jahre 90 nach Christus erbaut, im Mittelalter als Festung genutzt und 1825 zum Amphittheater umgebaut. Ein geschichtsträchtiger Ort, an dem auch der neue Kriminalroman von Anthony Coles beginnt…

Peter Smith hat ein bewegtes Leben als Unternehmensberater, Lehrer für Kunstgeschichte und britischer Geheimdienstler hinter sich und sehnt sich nach Sonne und Entspannung, daher setzt er sich zusammen mit seinem Windhund Arthur im schönen Arles zur Ruhe. Doch sein ruhiger Lebensabend ist jäh vorbei, als ihm beim Verlassen des römischen Amphitheater ein Schlag auf den Hinterkopf versetzt wird und er unter einer Leiche wieder zu sich kommt. Ohne es zu wollen, stolpert er mitten hinein in einen mysteriösen Mordfall, ein Netz aus Intrigen und eine provenzalische Verschwörung …

Anthony Coles hat einen kurzweiligen und interessanten Provence-Krimi geschrieben, leidlich spannend, aber gediegen und stilvoll. Er führt Land und Leute bildlich vor Augen, verliert sich mitunter aber in Exkursen, worunter die Spannung leidet. Peter Smith ist ein anfangs undurchschaubarer und recht unnahbarer Protagonist, was gut zur geheimnisvollen Aura eines Agenten passt, nimmt den Leser jedoch durch seinen Intellekt und die Begeisterung für den französischen Lebensstil für sich ein.

Alles in allem ein solider Provence-Krimi mit interessantem Ermittler und viel Lokalkolorit, der aufgrund einiger langatmiger Passagen nicht durchgehend zu fesseln vermag.

⭐⭐⭐- Reise

© Pendo Verlag

Ein Gentleman in Arles ist ein Provence-Krimi von Anthony Coles, übersetzt von Michael Windgassen, 2018 im Pendo Verlag erschienen und der erste Fall für Peter Smith.
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