Rezension: Die Gefangene von Golvahar

Soraya ist die Zwillingsschwester des jungen Schahs, doch sie lebt im Palast wie eine Gefangene, denn nur so kann sie ihr Geheimnis verbergen: Durch ihre Adern fließt Gift und ihre Berührungen sind tödlich. Soraya wurde alles tun, um den Fluch zu brechen, doch damit bringt sie ihre Familie und ihr Volk in große Gefahr…

Wenn Sie auf dem Dach des Golvahar-Palastes stand, konnte Soraya fast glauben, dass sie tatsächlich existierte

Buchgedanken:

Melissa Bashardoust verknüpft Märchenelemente mit persischen Mythen zu einer einzigartigen und geheimnisvollen Geschichte. Soraya lebt im Verborgenen, doch sie ist keine hilflose Prinzessin, denn ihr Fluch gibt ihr die Macht über Leben und Tod. Eine Macht, die sie sich nicht eingestehen will. Statt dessen schämt sie sich für ihren Fluch, leidet unter der Einsamkeit und sehnt sich nach Nähe. Ihre innere Zerrissenheit, ihr Neid auf das Glück anderer Menschen und ihr unbändiger Wunsch den Fluch loszuwerden sind nachvollziehbar und machen sie zu einer starken und sehr menschlichen Figur. Bisher hat sie ihr Schicksal erduldet, doch als sich die Möglichkeit bietet, den Fluch zu brechen, zeigt sich, wie weit sie bereit ist zu gehen.

Sie hatte genug Märchen gelesen, um zu wissen, dass die Prinzessin und das Ungeheuer niemals dieselbe Person waren

Die Geschichte ist fantasievoll, spannend und sehr gut durchdacht, so dass sie einen immer wieder aufs Neue überraschen kann. Zwar gerät die Handlung im Mittelteil etwas ins Stocken, doch die Spannung bleibt bis zum Schluss erhalten, dazu tragen auch die interessanten Nebenfiguren, das undurchschaubare Geflecht aus Geheimnissen und Intrigen und die märchenhafte Atmosphäre bei.

Fazit: 

Die Gefangene von Golvahar ist ein spannendes und märchenhaftes Abenteuer ab 13 Jahren. Geheimnisvoll, wendungsreich und dezent romantisch.
© Thienemann
Die Gefangene von Golvahar ist ein Fantasyroman von Melissa Bashardoust, übersetzt von Inge Wehrmann und 2020 im Thienemann Verlag erschienen.

Stimmen aus der Nachbarschaft:

Süchtig nach Büchern
Büchersalat
Gedanken-Vielfalt
8

Rezension: Mentira von Christina Hiemer

Melia ist Mitglied der Ruinia und lebt in Mentira, dort sind Lügen seit jeher verboten. Als Melia einen wichtigen Auftrag bekommt, gerät das Vertrauen in ihre Schwesternschaft ins Wanken. Sie nimmt all ihren Mut zusammen und flieht. In Sombra, der Schattenstadt, erhofft sie sich Antworten zu finden…

Mentira ist eine düstere und spannende Geschichte voller Gegensätze – Wahrheit und Lüge, Hass und Liebe liegen dicht beieinander. Die mittelalterlich anmutende Welt ist anfangs schwer zu durchschauen, auch die Schwesternschaft und die Gepflogenheiten in Sombra geben Rätsel auf. Es ist ein Geflecht aus Geheimnissen, Lügen und Intrigen, das sich nur schwer entwirren lässt. Die Geschichte hat zu Beginn ein paar Längen, wird aber zunehmend spannender und die Perspektivenwechsel geben eine zusätzliche Dynamik und offenbaren einen anderen Blickwinkel auf das Geschehen. Melia ist eine sympathische Protagonistin, mitunter aber etwas naiv, sie handelt oft impulsiv und ist sich den Konsequenzen oftmals nicht bewußt. Alles in allem ist der erste Band der Dilogie eine spannende, wendungsreiche und atmosphärische Geschichte mit einem Hauch Romantik, die mit einer geheimnisvollen Welt, einer konfliktgeladenen Handlung und interessanten Charakteren für gute Unterhaltung sorgt.

In Melia erwachen unheimliche Kräfte, die sie weder erklären noch kontrollieren kann. Um herauszufinden, welche düsteren Mächte ihre Welt in den Abgrund zu reißen drohen, müssen Melia und Jaron den gefährlichen Weg in die Stadt der Verstoßenen auf sich nehmen …

Mentira 2 ist eine spannende Mischung aus Fantasy und Dystopie und ein gelungener Abschluss der Dilogie. Im zweiten Band wechselt der Schauplatz und die düstere Atmosphäre verdichtet sich, wirkt streckenweise apokalyptisch, denn der Weg nach Sedimento steckt voller Gefahren und zeigt das ganze Ausmaß der Katastrophe. Melia ist an den Ereignissen gewachsen und wirkt nicht mehr so naiv wie im ersten Band. Sie kämpft mit den unheimlichen Kräften, die in ihr erwacht sind und scheint vom Auge von Sombra beeinflusst zu sein, dennoch ist sie im Verlauf der Handlung nicht so präsent und aktiv, wie man es von einer Protagonistin erwarten würde.
Die Handlung ist wendungsreich und spannend, man gewinnt mehr Einblicke ins Weltgefüge und einige Geheimnisse werden gelüftet. Mitunter verliert sich Christina Hiemer jedoch in Beschreibungen, zudem haben sich kleinere Logikfehler und Handlungslücken eingeschlichen. Nichtsdestotrotz ist Mentira eine düstere, fantasievolle und spannende Geschichte mit einer Prise Romantik, die mit einer dystopischen Welt, dunklen Mächten und aufwühlenden Ereignissen für spannende Unterhaltung sorgt.

Mentira ist ein Fantasyroman von Christina Hiemer und 2019 bei Impress erschienen. Band 2 ist 2020 ebenfalls bei Impress erschienen.
11

Rezension: Kaleidra von Kira Licht

Die 17-jährige Emilia liebt Rätsel. Als sie bei einem Museumsbesuch das sagenumwobene Voynich-Manuskript betrachtet, spürt sie, dass sie einem unglaublichen Mysterium auf der Spur ist, denn das Dokument gilt als eines der größten, nie entschlüsselten Geheimnisse der Menschheit und Emilia kann es lesen! Fortan überschlagen sich die Ereignisse und Emilia gerät ins Kreuzfeuer rivalisierender Geheimlogen…

Buchgedanken

Kira Licht verknüpft reale Begebenheiten mit einer fantasievollen Geschichte. Die ewige Stadt Rom ist der ideale Schauplatz für ein fantastisches Abenteuer voller Magie, Geheimnisse und Rätsel. Die Geheimlogen kämpfen mit chemischen Elementen und Reaktionen, das ist komplex, stelllenweise etwas ausufernd, aber auch ungemein faszinierend. Emilia ist eine sympathische Protagonistin, klug und humorvoll. Neugierig lässt sie sich auf die geheime Welt ein, ist aber manchmal schlichtweg überfordert mit den ganzen Informationen, die auf die einprasseln, was sie noch liebenswerter erscheinen lässt. Die Liebesgeschichte zwischen ihr und Ben ist zwar vorhersehbar, drängt sich aber nicht in den Vordergrund und baut sich langsam auf, ist emotional ohne kitschig zu wirken und wird Romantik-Fans sicherlich begeistern. Die Geschichte ist gut durchdacht, temporeich, geheimnisvoll und überraschend.

Fazit

Eine spannende, fantasievolle und unterhaltsame Geschichte mit einer Prise Romantik. Die Figuren sind interessant und dreidimensional, die Handlung geheimnisvoll und wendungsreich. Ein gelungener Reihenauftakt, dessen unerwartetes Ende das Warten auf den nächsten Band ausgesprochen lang werden lässt.

© One
Kaleidra ist ein Jugendbuch von Kira Licht und 2020 bei One erschienen.

9