Rezension: Emily Bones von Gesa Schwartz

Emily glaubt zu träumen, als sie sich eines Nachts in einem Grab wiederfindet. Entsetzt stellt sie fest, dass sie gestorben ist und nun als Geist auf dem Friedhof Père Lachaise herumspuken muss. Doch damit will sie sich nicht abfinden, denn sie wurde ermordet und kennt nur noch ein Ziel – ihren Mörder finden und ihr Leben zurückholen…

Buchgedanken:

Emily Bones ist eine humorvolle, spannende und fantasievolle Geschichte, die vor allem durch das atmosphärische Setting und die skurillen Figuren überzeugt. Emily ist eine sympathische, selbstbewußte und schlagfertige Protagonistin, die verständlicherweise an ihrem Leben festhält und sich nur schwer in die Friedhofsgemeinschaft einfügt. Trotz ihrer Sturheit und vorlauten Art, wächst sie den Friedhofsbewohnern ans Herz und gemeinsam nehmen sie den Kampf mit Draghar auf. Gesa Schwartz hat eine detailreiche und originelle Anderswelt erschaffen, in der es viel zu entdecken gibt, so dass beim Lesen keine Langeweile aufkommt.

Fazit:

Eine abenteuerliche Geistergeschichte mit überraschenden Wendungen und durchaus düsteren Momenten, stimmungsvoll, fesselnd und unterhaltsam.

© Thienemann-Esslinger Verlag
Emily Bones ist ein Fantasy-Roman ab 10 Jahren von Gesa Schwartz und 2018 bei Planet! erschienen.
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Advents-Special: Einmal im Jahr für immer von Sarah Ricchizzi

Liebe Bücherengel,
es gibt Geschichten, die funkeln wie ein Weihnachtsbaum und bringen uns zum Strahlen. Sie sind einzigartig wie eine Schneeflocke und berühren uns zutiefst. Vier dieser ganz besonderen Geschichten möchte ich Euch an den Adventssonntagen vorstellen…

Amelies Geschichte…

Nach dem Tod ihres Ehemanns Mathiew weiß Amelie Red nicht, wie sie weiterleben soll. Sie versinkt gänzlich in ihrer Trauer, zieht sich aus dem sozialen Leben zurück und hat jegliche Hoffnung und Lebensfreude verloren. Doch dann steht plötzlich ein Clown vor ihrer Tür, zieht mitsamt Hüpfburg in ihr Haus ein und bringt im wahrsten Sinne des Wortes Farbe in ihr Leben.

Einmal im Jahr für immer…

Sarah Ricchizzi erzählt eine berührende Geschichte über Liebe, Verlust und Trauer und beweist viel Feingefühl im Umgang mit sensiblen Themen wie Depression und Tod. Amelie ist eine sympathische und authentische Figur, durch ihre finanzielle Situation den alltäglichen Problemen enthoben, hat sie allein mit ihrer Trauer zu kämpfen. Dabei zeigt sich die ganze Bandbreite von Gefühlen, die der Verlust eines geliebten Menschen auslösen kann. Ist Amelie anfangs in ihrer ohnmächtigen Traurigkeit verhaftet, verliert sich zunehmend in Selbstvorwürfen und ist dem eigenen Leben gegenüber gleichgültig geworden, so zeigt sie im weiteren Verlauf Scham, Wut und wieder aufkeimende Lebensfreude. Auch der Clown hat eine berührende Geschichte, die dem Leser die Figur nahebringt und einen vielschichtigen Charakter hinter der Maske offenbart. Bis dahin verfolgt man belustigt die oftmals extremen Aktionen, die der Clown mit stoischer Gelassenheit und diebischer Freude ausführt und die am Ende nur einem Zweck dienen – Amelie zu verdeutlichen, dass ein Weiterleben möglich ist und ihr einen Weg aus der Trauer und selbstgewählten Isolation zu zeigen.

Funkelnder Hoffnungsschimmer…

Einmal im Jahr für immer ist ein emotionaler Roman, der einen zum Lachen und Weinen bringt, schonungslos ehrlich und zugleich hoffnungsvoll und lebensbejahend. Die fantasievollen und verrückten Ideen des Clowns bringen nicht nur Farbe in Amelies Leben, sondern verblüffen und amüsieren auch beim Lesen. Doch der Clown ist so viel mehr als ein spaßiger Störenfried, er lässt Amelie mit ihrer Trauer nicht allein. Eine wunderschöne Geschichte, die hell leuchtet und die Dunkelheit vertreibt…

© Sarah Ricchizzi / neobooks

Einmal im Jahr für immer ist ein Roman von Sarah Ricchizzi und 2017 bei neobooks erschienen.


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Rezension: Geisternächte von André Mumot

Die erfolglose Schauspielerin Kathi Bechstein verdient mit spiritistischen Sitzungen ihr Geld. Als die zehnjährige Sophie vor ihrer Tür steht und sie bittet, mit ihrem ermordeten Bruder in Kontakt zu treten, hat Kathi Bedenken, schließlich ist alles nur Show. Aus Geldnot geht sie dennoch auf Sophies Bitte ein und setzt damit Ereignisse in Gang, die sie schon bald in Gefahr bringen….

Buchgedanken:

André Mumot verknüpft geschickt eine tragische Familiengeschichte mit Spannungselementen und Geistermotiven ohne an Glaubwürdigkeit zu verlieren. Es geht um Familie, Verlust, Schuld und Seelenrettung. Die einzelnen Handlungsstränge sind realistisch und fesselnd und ergeben am Schluss ein stimmiges Gesamtbild. Die Charaktere sind ungewöhnlich und authentisch. Sophie ist ein kluges und introvertiertes Mädchen, das trotz Glasauge mehr sieht als andere. Kathi ist eine rationale und kühle Figur, die jedoch aus Sorge um ihren Bruder unüberlegte Entscheidungen trifft. Kenan ist mit seiner emotionalen und warmherzigen Art ein gelungener Gegenpol.

Fazit:

Eine spannende Geschichte mit überraschenden Wendungen, die aktuelle Entwicklungen und Mystery gekonnt vereint. Ein ungewöhnlicher Roman, der sich in keine Schublade stecken lässt, kunstvoll und fesselnd.

© Eichborn Verlag

Geisternächte ist ein Roman von André Mumot und 2018 im Eichborn Verlag erschienen.


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Rezension: The Girl – Ein tödlicher Sommer von Anna Yorck

Es ist ein heißer Sommer in South Carolina und die sechzehnjährigen Freundinnen Macy und Shailene vertreiben sich die Zeit mit Partys und Sommerflirts. Als eine junge Frau vermisst wird, beteiligen sich die Mädchen an der Suche, doch die Studentin bleibt verschwunden und die Polizei hat den Verdacht, dass sie dem Kentucky Highway Killer zum Opfer gefallen ist. Offenbar treibt er in der Gegend sein Unwesen und dann verschwindet plötzlich Macys Mutter. Hat der Killer erneut zugeschlagen? Macy macht sich auf die Suche nach ihrer Mutter und bringt sich dadurch in tödliche Gefahr…

Buchgedanken: 

The Girl besticht vor allem durch die eindringliche Atmosphäre. Die lähmende Hitze und die latente Bedrohung durch den Highway Killer sind spürbar. Es scheint, als würde die Hitze die Menschen dermaßen ermüden, dass sie ihre bürgerliche Fassade nur mühsam aufrechterhalten und unter der Oberfläche der Kleinstadt brodelt es gewältig – es wird gelogen, betrogen, gezüchtigt und gequält. Mittendrin ein junges Mädchen auf der Suche nach der Wahrheit, das sich weder von schlangenverseuchen Sümpfen, noch schmierigen Motels von ihrer Spur abbringen lässt und sich der Bedrohung, der sie sich dadruch aussetzt, gar nicht bewußt ist.

Fazit:

Ein packender und atmosphärischer Roman über Freundschaft, Familiengeheimnisse und Obsession, der dem aufmerksamen Leser den Täter jedoch recht früh offenbart, was die Freude am Miträtseln schmälert. Nichtsdestotrotz ist The Girl ein spannender und gut durchdachter Kriminalroman, der schlüssig aufgelöst wird, wobei die Suche der Mädchen im Vordergrund steht und die polizeilichen Ermittlungen nur am Rande stattfinden.

© Knaur Verlag

The Girl – ein tödlicher Sommer ist ein Kriminalroman von Anna Yorck und 2018 erschienen im Knaur Verlag.


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