Rezension: Stormsong – In Winterstürmen

Grace Hensleyund ihr Bruder Miles werden von Königin Constantina damit beauftragt, ein Mordkomplott zu vereiteln, während Aeland am Rande einer Katastrophe steht. Mitten im Winter und ohne die Energie des Aether spitzt sich nicht nur der Unmut der Bevölkerung zu, auch die eingesperrten Magier beginnen sich zu wehren, und das Land wird von einer Serie brutaler Winterstürme heimgesucht.

Revolution liegt in der Luft. Während sich Grace Hensley bald für eine der Seiten entscheiden muss und versucht ihre Familie in Sicherheit zu bringen, beginnt die junge Fotojournalistin Avia Jessup an Geheimnissen zu rühren, die den Funken des Aufstands entzünden könnten …

Buchgedanken

Stormsong ist die Fortsetzung von Witchmark, dem Gewinner des World Fantasy Awards 2019. Dieses Mal ist Grace, die Schwester von Miles, die Hauptfigur. Im ersten Band stand sie sehr unter dem Einfluss ihres Vaters, hat sich am Ende aber für Miles und seine Sache eingesetzt und dadurch ein paar Sympathiepunkte gewonnen. Mittlerweile ist sie Kanzlerin, versucht die drohende Naturkatastrophe zu verhindern und muss zudem ein Mordkomplott vereiteln. Erneut steht sie zwischen den Stühlen und kann sich nicht für eine Seite eintscheiden. Sie gibt sich die Schuld für die vergangenen Ereignisse, findet nur langsam ihren Weg, lässt sich jedoch nicht mehr so leicht manipulieren und hat aus ihren Fehlern gelernt. Da in diesem Band einige Geheimnisse enthüllt werden und man mehr über Grace und ihren Vater erfährt, ist ihr Zögern und ihre Angespanntheit nachvollziehbar, dennoch war Miles eine angenehmere Hauptfigur, da in seinem Auftreten verbindlicher und geradliniger. Avia hingegen war bereits im ersten Band eine sympathische und interessante Nebenfigur und es ist schön, dass sie nun mehr Raum bekommt.

Fazit

Stormsong ist eine Geschichte voller Magie, Geheimnisse und Machtspiele. Die Winterstürme und die drohende Rebellion tragen zur besonderen Stimmung des Romans bei, allerdings ist das ständige Kräftemessen von Politik und Adel mitunter etwas ermüdend Nichtsdestotrotz ist die Geschichte konfliktgeladen und fesselnd, wenn auch erst zum Ende hin richtiggehend spannend.

© Klett-Cotta
Stormsong ist ein Fantasyroman von C.L. Polk, übersetzt von Michelle Gyo und 2020 bei Klett-Cotta erschienen.
9

Rezension: Emerick von Tanja Heitmann

Für Jasna ist Lastage House die Chance, ein neues Leben zu beginnen. Professor Leopold hat sie als Assistentin unter seine Fittiche genommen. und gemeinsam betreuen sie Kinder und Jugendliche, deren Leben aus den Fugen geraten ist.

Vielleicht ist die Welt ja doch einen Tick bunter, als du bislang dachtest.

An einem von ihnen beißt Jasna sich allerdings die Zähne aus: Emerick ist nicht nur faszinierend, sondern sieht die Welt auf seine ganz eigene Weise. Als Jasnas Schützling, die kleine Lia, unerklärlicherweise ins Koma fällt, bietet Emerick seine Hilfe an. Damit beginnt die Jagd auf einen geheimnisvollen Schatten, und Jasna stellt fest, dass es in Lastage House nicht nur verrückt zugeht, sondern vor allem magisch …

Buchgedanken: 

Emerick ist eine fantasievolle, ungewöhnliche und nebulöse Geschichte. Der Handlungsraum beschränkt sich auf Lastage House. Die ominöse Flut, die das Leben wohl entscheidend verändert hat, wird nur am Rande erwähnt, ihre Auswirkungen bleiben größtenteils unklar. Das verleiht der Geschichte eine leichte Endzeitstimmung, wobei Lastage House wie ein aus der Zeit gefallener Zufluchtsort wirkt, dessen Bewohner mehr wahrnehmen als mit bloßem Auge sichtbar ist.

Auch Jasna gibt nicht viel über sich preis, sie spielt die Rolle der netten Assistentin und verschweigt ihr altes Leben. Das macht sie zu einer unnahbaren Figur, der man dennoch gern durch die Geschichte folgt, da man unbedingt wissen möchte, was sie verbirgt.

Der alltägliche Wahnsinn – mein Spezialgebiet.


Emerick hingegen ist eine faszinierende und charismatische Figur. Seine lakonische Art lässt einen anfängliche Längen und kleinere Spannungseinbrüche schnell vergessen. Zudem gerät die Jagd nach dem Schatten ungemein spannend und mitreißend, da hätte das Ende durchaus noch einen Ticken dramatischer sein können. Nichtdestotrotz ist die Geschichte rätselhaft und fesselnd und steckt voll fantastischer Ideen, überraschender Wendungen und aufregender Enthüllungen.

Fazit: 

Ein spannender und unterhaltsamer Fantasyroman mit interessanten und leicht skurrilen Figuren, der durchaus das Potential für eine Fortsetzung hat. Kurzweilig, packend und geheimnisvoll.

© Piper Verlag
Emerick und die schlafende Wächterin ist ein Fantasyroman von Tanja Heitmann und 2019 im Piper Verlag erschienen.

9

Rezension: Diebe der Nacht von Thilo Corzilius

Die Herbstgänger sind eine Truppe fahrender Schauspieler und Diebe. Sie kommen für eine Saison in die Stadt Mosmerano, um dort ein großes Ding zu drehen. Doch sie geraten mitten in ein Komplott um finstere Magier und ein Gemälde, das es eigentlich gar nicht geben dürfte …

Buchgedanken:

Diebe der Nacht ist eine Geschichte voller Magie, Intrigen und Schachzüge. Im Mittelpunkt der Handlung stehen Glin Melisma und seine Schauspielertruppe. Eine Gruppe kunstfertiger Außenseiter, die die Leidenschaft für das Theater und geniale Raubzüge vereint. Glin ist ein kluger und charismatischer Mechanist, eine sympathische Figur, deren Charme man sich nicht entziehen kann. Über seine Pläne und Schachzüge lässt er seine Truppe oftmals im Unklaren, wodurch auch der Leser lange Zeit im Dunkeln tappt und das ein oder andere Mal in die Irre geführt wird. Auch die Nebenfiguren sind gut ausgearbeitet, wirken sehr plastisch und teilweise wunderbar skurril, wobei manchen Charakteren mehr Raum gegeben wird, als anderen.

Die Handlung ist spannend, wendungsreich und überraschend. Die eingebauten Rückblenden bringen einem die Figuren näher und gelegentlich verliert sich Thilo Corzilius in Nebenhandlungen, doch darüber tröstet ein abwechslungsreiches Geschehen mit fesselnden, unterhaltsamen und emotionalen Momenten hinweg.

Die Ruhende Welt ist sehr gut durchdacht und detailreich. Neben Steampunk-Elementen gibt es eine eigene Religion, Zeitrechnung, Sprache und vieles mehr, doch der bildhafte Schreibstil, ein Glossar und eine Karte am Anfang des Buches machen es dem Leser leicht, in die fantasievolle Welt einzutauchen. Die Lagunenstadt  Mosmerano ist ein wundervoller und mystischer Schauplatz und die ideale Bühne für eine Schauspielertruppe, die nachts durch dunkle Gassen und über Hausdächer schleicht.

Fazit:

Eine spannende und unterhaltsame Geschichte über den großen Coup, der aus dem Ruder läuft. Facettenreich, atmosphärisch und überraschend – ein magisches Abenteuer.

© Klett-Cotta
Diebe der Nacht ist ein Fantasyroman von Thilo Corzilius und 2020 bei Klett-Cotta erschienen.

Stimmen aus der Nachbarschaft: 

Bella’s Wonderworld

Bücher aus dem Feenbrunnen

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