Krimi-Auszeit: Verfall-eine Odyssee von Bernd Jooß

Ein brutaler Serienmörder versetzt das Gerberviertel in Angst und Schrecken. Er tötet ohne erkennbares Motiv und hinterlässt keine Spuren. Hauptkommissar Hendrik Heller wird zu den Ermittlungen hinzugezogen, denn er kennt sich im Gerberviertel gut aus, hat den Bezirk jedoch gemieden, seitdem er dort brutal zusammengeschlagen wurde. Fieberhaft begibt er sich auf die Suche nach dem Täter, wodurch die Erinnerungen an den Überfall allmählich zurückkommen und ihm wird klar, dass ihn der Mörder schon längst im Visier hat…

Verfall ist kein Kriminalroman im klassischen Sinne, sondern das Psychogramm eines traumatisierten Ermittlers und das Porträt eines geschichtsträchtigen Stadtviertels, das zunehmend verkommt. Inmitten von Gewalt, Verwahrlosung und Baufälligkeit begibt sich Hendrik Heller auf Spurensuche und findet nicht nur Hinweise auf den Täter, sondern auch Zugang zu verdrängten Erinnerungen.
Die Geschichte ist gut konstruiert und das Geschehen und die Figuren authentisch, aber Bernd Jooß versteht es ausgezeichnet, den Leser zu verunsichern. Mit scheinbar beiläufigen Bemerkungen und kleinen Details schürt er das Misstrauen gegenüber seiner Hauptfigur, bis der Leser sich fragt, ob die Ereignisse nun wirklich oder wahnhaft sind.

Ein spannender und mysteriöser Kriminalroman und zugleich die Geschichte eines schleichenden Verfalls – düster, überraschend und fesselnd bis zum Schluss.

© Knaur Verlag
Verfall – eine Odyssee ist ein Kriminalroman von Bernd Jooß und 2018 im Knaur Verlag erschienen.
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Krimi-Auszeit: Jenseits von Wut von Lucie Flebbe

Nach einem heftigen Streit steht Edith Beelitz mit ihrer kleinen Tochter Lotti auf der Straße. Zu Ehemann Philipp will sie auf keinen Fall zurück, da arbeitet sie lieber wieder in ihrem ungeliebten Beruf. Zum Glück herrscht bei der Bochumer Polizei Personalnotstand, so dass Eddie kurzfristig bei der Mordermittlung in Teilzeit anfangen kann. Sie hofft, nur Schreibarbeiten übernehmen zu müssen, aber vor dem Jobcenter liegt die Leiche der arbeitssuchenden Ronja Bleier – sie wurde brutal erschlagen…

In ihrer neuen Krimireihe bleibt Lucie Flebbe ihrem Stil treu und schickt erneut eine unkonventionelle Ermittlerin auf Verbrecherjagd. Eddie Beelitz ist nach jahrelanger Fremdbestimmung durch ihren Ehemann zutiefst verunsichert und mit den Mordermittlungen überfordert. Sie muss wieder lernen auf eigenen Beinen zu stehen und auf ihr berufliches Können zu vertrauen. Lucie Flebbe nimmt sich ausreichend Zeit, um ihre neue Figur vorzustellen, wodurch die Mordermittlungen erst später beginnen, wobei das Privatleben von Eddie vergleichbar fesselnd ist. Der Kriminalfall ist gut durchdacht, schlüssig und packend bis zum Schluss.

Ein spannender Regionalkrimi mit einer interessanten Ermittlerin und einem fesselnden Kriminalfall, der mit authentischen Alltagsschilderungen, überraschenden Wendungen und lakonischem Schreibstil überzeugt.

© Grafit
Jenseits von Wut ist ein Kriminalroman von Lucie Flebbe und der erste Fall für Eddie Beelitz, 2018 erschienen im Grafit Verlag.
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Krimi-Auszeit: Das Grab unter Zedern

Liebe Spürnasen,

die Provence ist ein tödliches Pflaster – zumindest in Kriminalromanen. Neben den Krimis von Cay Rademacher und Pierre Martin, gefällt mir die Reihe von Remy Eyssen um den deutschen Gerichtsmediziner Leon Ritter. Der Schauplatz ist die Gemeinde Le Lavandou an der Mittelmeerküste und der vierte Teil ist gerade neu erschienen:

Vor Jahren verschwand die kleine Amelie spurlos, woraufhin ihr Vater ins Gefängnis ging, da er angedroht hatte, das Kind zu töten. Doch eine Leiche wurde nie gefunden.und das Beruftungsgerich spricht Paul Simon aus Mangel an Beweisen frei. Während die Polizei von Le Lavandou den Fall neu aufrollt, wird ein Toter am Strand gefunden. Schnell richtet sich der allgemeine Verdacht auf Paul Simon, doch Rechtsmediziner Dr. Leon Ritter hat Zweifel. Er stellt eigene Nachforschungen an und alles deutet daraufhin, dass der Täter von damals dabei ist, weitere Verbrechen zu begehen. Doch niemand will ihm glauben…

Der vierte Teil der Reihe legt den Fokus auf die Ermittlungsarbeit und beginnt mit einem erschütternden Prolog, der einstimmt auf einen recht düsteren Krimi um dunkle Geheimnisse, Kindesentführung und Mord. Erneut arbeitet Gerichtsmediziner Leon Ritter sehr engagiert, gründlich und genau, zumal ihm ein neuer Kollege zur Seite gestellt wird, der ihm den Posten streitig machen möchte. Der Kriminalfall ist gut durchdacht, wendungsreich und fesselnd. Die Ermittlungsarbeit ist realistisch und nachvollziehbar, lediglich das vorschnelle Urteilen der französischen Polizei löst manchmal Unverständnis aus. Das recht beschauliche Leben in dem Fischerdorf mit Bouleplatz inklusive Dorfklatsch wirkt authentisch und versetzt einen trotz der dramatischen Geschehnisse in Urlaubsstimmung.

Ein spannender und stimmungsvoller Provence-Krimi mit sympathischen Protagonisten, der zum miträtseln einlädt.

© Ullstein
Das Grab unter Zedern ist ein Kriminalroman von Remy Eyssen, erschienen 2018 im Ullstein Verlag und der vierte Fall für Leon Ritter.
Mehr spannende Lektüre….
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Krimi-Auszeit: Sörensen hat Angst

Liebe Spürnasen,

wo die Angst ist, da geht es lang – diesen Ausspruch von Günter Ammon, dem Gründer der Deutschen Akademie für Psychoanalyse, hat Kriminalhauptkommissar Sörensen wahrscheinlich noch nie gehört. Ansonsten hätte er sich nicht aufgrund seiner Angststörung von Hamburg ins nordfriesische Katenbüll versetzen lassen, um dort zur Ruhe zu kommen. Ein Plan, der gehörig schief geht, denn kurz nach seiner Ankunft wird der Bürgermeister erschossen aufgefunden. Gemeinsam mit Kollegin Jennifer Holstenbeck und Behördenpraktikant Malte Schuster macht sich Sörensen an die Aufklärung und muss sich nun, neben den eigenen Ängsten, mit zerrütteten Familien, Betrug, Verrat, Entführung und Mord auseinandersetzen. Denn Katenbüll ist weit davon entfernt, ein beschauliches und ruhiges Dorf zu sein und hinter jeder Tür zeigt sich ein anderes Bild des Grauens…

Sven Stricker hat einen spannenden Roman geschrieben, der mit Lokalkolorit, Dialogwitz und einem angstgeplagten Ermittler überzeugt. Die Emotionen von Sörensen werden lebensnah und für den Leser nachvollziehbar dargestellt: ein allzu menschlicher Ermittler, mit dem man sich gerne auf Spurensuche begibt.
Das trostlose und verregnete Katenbüll scheint der Schmelztiegel des Verbrechens zu sein, wirklich unschuldig ist hier niemand und mitunter lässt sich das Verhalten der Figuren schwer nachvollziehen, für mich das einzige kleine Manko in einem atmosphärisch dichtem Buch, das man nur schwer aus der Hand legen kann.
Ein lesenswerter Regionalkrimi mit sympathischem Ermittler, spannender Story und einer Prise trockenem Humor.

⇒ Am 25. September 2018 erscheint Sörensen fängt Feuer - erneut wird das öde Katenbüll Schauplatz eines Verbrechens. Sven Stricker // Rowohlt Verlag Klick um zu Tweeten

© Rowohlt Verlag

Sörensen hat Angst ist ein Kriminalroman von Sven Stricker, erschienen 2016 im Rowohlt Verlag und der erste Fall für Sörensen.
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