Fernweh-Freitag: Blanca

Liebe Buchreisende,

diese Woche geht es nach Italien – wer denkt da nicht an dolce vita? In lauen Nächten auf der spanischen Treppe sitzen, durch Olivenhaine und Zitronengärten streifen oder Sonnenbaden in malerischen Buchten. Italien ist das perfekte Urlaubsland, aber wie ergeht es einem jungen Mädchen, das alleine mit wenig Geld und recht planlos durch Italien reist?

Die fünfzehnjährige Blanca hat ihr altes Leben satt. Ihre Mutter hält es nie lange an einem Ort aus, doch Blanca sehnt sich nach Beständigkeit und einem Zuhause. Nach einem heftigen Streit wird sie von ihrer Mutter am Straßenrand ausgesetzt und macht sich auf zu einer kleinen Insel in Italien. Dort hat sie mit ihrer Mutter bei Karl und seinem Sohn Toni gewohnt und war zum ersten Mal richtig glücklich….

Mercedes Lauenstein hat einen wunderbaren Roman über Sehnsucht, Geborgenheit und Lebensglück geschrieben. Blanca begibt sich auf eine spannende Reise und begegnet recht unterschiedlichen Menschen, angetrieben von der Wut über ihre Mutter und dem Wunsch nach Heimat, hält sie an einer romantischen Erinnerung fest und nimmt eine ungewisse Zukunft in Kauf. Das Unverständnis für ihre Mutter und ihr verzweifeltes Bemühen, das alte Leben abzustreifen, sind nachvollziehbar und anrührend. Eine eigenwillige, anpassungsfähige und sympathische Protagonistin, die einen mit ihrer frechen Art und ihrem Wunsch nach Liebe und Beständigkeit sofort für sich einnimmt.

Ein kluger, unterhaltsamer und emotionaler Roman, der mit authentischen Charakteren, einem ansprechenden Schreibstil und einer mitreißenden Geschichte auf ganzer Linie überzeugt.

⭐⭐⭐⭐⭐- Reise

© Aufbau Verlag

Blanca ist ein Roman von Mercedes Lauenstein und 2018 im Aufbau Verlag erschienen.

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Rezension: Wie Arthur Pepper sich vor seiner Nachbarin versteckte und am Ende doch sein Herz fand

Arthur Pepper ist 69 Jahre alt und seit einem Jahr Witwer. Nach dem Tod seiner Frau Miriam hat er sich zurückgezogen, lebt nach einem geregelten Tagesablauf und ignoriert die Hilfe seiner Nachbarin. Bis er eines Tages zwischen den Sachen seiner Frau ein Armband mit acht Anhängern findet, das seine Neugierde weckt. Welche Geschicht steckt hinter den Anhängern und hatte seine Frau Geheimnisse vor ihm. Notgedrungen begibt sich Arthur auf die Suche nach Antworten und damit auf eine abenteuerliche Reise, die ihn bis nach Indien führt…

Er holte die Schatulle aus der Tasche und öffnete sie auf dem Fensterbrett. Obwohl er mittlerweile daran gewöhnt war, das Armband zu sehen, es zu berühren, konnte er es noch immer nicht mit seiner Frau in Verbindung bringen.

Buchgedanken:

Phaedra Patrick erzählt eine warmherzige Geschichte über Verlust, Einsamkeit und Geheimnisse. Ein ruhiger Roman, der zeigt, wie sehr Begegnungen und Erlebnisse außerhalb der eigenen Wohlfühlzone das Leben bereichern können. Der anfangs schwermütige und in sich gekehrte Arthur, öffnet sich langsam den Menschen in seiner Umgebung und meistert so manche abenteuerliche Situation.

Bei jedem Menschen, dem ich begegne, bei jeder Geschichte, die mir zu Ohren kommt, habe ich das Gefühl, als würde ich mich verändern und wachsen. Und vielleicht profitieren andere auch ein bisschen davon, mir zu begegnen. Es ist ein seltsames Gefühl.

Je mehr er über Miriams Vergangenheit erfährt, desto mehr stellt er seine Ehe in Frage, um am Ende zu akzeptieren, dass jeder Mensch Geheimnisse hat und selbst in einer Ehe nicht alles miteinander teilt.

Fazit:

Ein berührender und unterhaltsamer Roman über eine abenteuerliche Reise, bedächtig erzählt, mit sympathischen Protagonisten und wunderbaren Begegnungen, die einem zum Lachen und Weinen bringen. Eine Geschichte der leisen Zwischentöne, die zum Nachdenken anregt und zeigt, wie man das eigene Leben bereichern kann, indem man von der eigenen Routine abweicht und sich neuen Wegen öffnet.

Leben ist das, was uns zustößt, während wir uns etwas ganz anderes vorgenommen haben - Henry Miller Klick um zu Tweeten
© btb Verlag
Wie Arthur Pepper sich vor seiner Nachbarin versteckte und am Ende doch sein Herz fand ist ein Roman von Phaedra Patrick, übersetzt von Beate Brammertz und 2018 im btb Verlag erschienen.
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Fernweh-Freitag: Verschollen in der Poison Bay

Liebe Buchreisende,

an jedem Freitag entführe ich Euch an die entlegensten Orte und stelle meine weiteste Buchreise der Woche vor. Dieses Mal geht es in die unwirtliche Wildnis von  Neuseeland. Dichter Regenwald, reißende Flüsse und schneebedeckte Berge bilden das atemberaubende Setting für Bellinda Pollards Krimi.

Fernsehreporter Callie Brown lässt sich auf das Wagnis ein mit einer Gruppe alter Freunde durch die Wildnis Neuseeland zu wandern. Gut 10 Jahre sind nach ihrem Schulabschluss und einem gemeinsamen traumatischem Erlebnis vergangen, das noch immer zwischen ihnen steht. So sind sie in einer der entlegensten und rauesten Gegenden Neuseelands nicht nur den Elementen ausgeliefert, sondern auch ihren eigenen Dämonen. Und damit nicht genug, scheint ihnen jemand nach dem Leben zu trachten….

Belinda Pollard erzählt die packende Geschichte von acht Menschen, die von ihrer Vergangenheit eingeholt werden und deren Wanderausflug sich zu einem Überlebenskampf entwickelt. Dabei beweist sie ein gutes Gespür für psychologische Feinheiten und die Dynamik innerhalb der Gruppe. Die Charaktere sind vielschichtig und authentisch und agieren in dieser Extremsituation auf unterschiedliche Weise. Pollard gelingt es, die Sorgen und Nöte der einzelnen Figuren glaubhaft zu vermitteln, der kräftezehrende Kampf gegen die unwirtliche Wildnis, die latente Gefahr und das ständig wachsende Misstrauen innerhalb der Gruppe sind spürbar, wodurch die Geschichte einen Sog entwickelt, dem man sich nur schwer entziehen kann.

⭐⭐⭐⭐⭐ – Reise

Verschollen in der Poison Bay ist ein Neuseeland-Krimi von Belinda Pollard, übersetzt von Maren Feller und 2017 erschienen bei Small Blue Dog Publishing.

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