Rezension: Najaden – Das Siegel des Meeres von Heike Knauber

Die Sultansöhne Abu Sayaf und Amir Khayam sind auf der Suche nach einem Siegel, das laut einer Prophezeihung ihr Reich vor dem Untergang bewahren kann. Als sie Meliaés Heimatstadt erobern, werden deren Eltern bei dem blutigen Angriff getötet. Meliaé gerät in Gefangenschaft, doch sie bekommt Hilfe vom Volk der Najaden, das ihr ihre wahre Bestimmung offenbahrt…

Buchgedanken:

Heike Knauber hat eine fantastische Welt erschafften, die wahrscheinlich jeden High Fantasy Leser begeistern wird. Die Schauplätze sind opulent und exotisch – ob Feuerinseln, Sandmeer oder Meeresgrund, die einzelnen Welten sind detailreich und bildhaft beschrieben und zudem durch Karten veranschaulicht. Die Handlung ist vielschichtig und spannend, mitunter aber etwas überfrachtet. Die Figuren werden angetrieben von starken Gefühlen. Wut, Angst und Hass bestimmen ihr Handeln, so dass die Geschichte anfangs recht düster und brutal ist. Erst im weiteren Verlauf spielen Zuneigung und Liebe eine Rolle, dennoch ist die Geschichte eher dramatisch als romantisch. Die Charaktere sind allesamt gut ausgearbeitet und überzeugend, vor allem Meliaé macht eine glaubhafte Entwicklung und wandelt sich von einem naiven Mädchen, das auf Rache sinnt, zu einer starken Heldin, die nicht nur ihr eigenes Wohlergehen im Blick hat.

Fazit:

Ein fantasievolles und fesselndes Buch, das in eine facettenreiche Welt entführt und mit einer originellen und gut durchdachten Geschichte, sowie vielschichtigen Charakteren überzeugt. Exotisch, emotional und bildgewaltig.

© Blanvalet
Najaden-Das Siegel des Meeres ist ein Fantasyroman von Heike Knauber und 2018 im Blanvalet Verlag erschienen.

 

20

Rezension: The Girl – Ein tödlicher Sommer von Anna Yorck

Es ist ein heißer Sommer in South Carolina und die sechzehnjährigen Freundinnen Macy und Shailene vertreiben sich die Zeit mit Partys und Sommerflirts. Als eine junge Frau vermisst wird, beteiligen sich die Mädchen an der Suche, doch die Studentin bleibt verschwunden und die Polizei hat den Verdacht, dass sie dem Kentucky Highway Killer zum Opfer gefallen ist. Offenbar treibt er in der Gegend sein Unwesen und dann verschwindet plötzlich Macys Mutter. Hat der Killer erneut zugeschlagen? Macy macht sich auf die Suche nach ihrer Mutter und bringt sich dadurch in tödliche Gefahr…

Buchgedanken: 

The Girl besticht vor allem durch die eindringliche Atmosphäre. Die lähmende Hitze und die latente Bedrohung durch den Highway Killer sind spürbar. Es scheint, als würde die Hitze die Menschen dermaßen ermüden, dass sie ihre bürgerliche Fassade nur mühsam aufrechterhalten und unter der Oberfläche der Kleinstadt brodelt es gewältig – es wird gelogen, betrogen, gezüchtigt und gequält. Mittendrin ein junges Mädchen auf der Suche nach der Wahrheit, das sich weder von schlangenverseuchen Sümpfen, noch schmierigen Motels von ihrer Spur abbringen lässt und sich der Bedrohung, der sie sich dadruch aussetzt, gar nicht bewußt ist.

Fazit:

Ein packender und atmosphärischer Roman über Freundschaft, Familiengeheimnisse und Obsession, der dem aufmerksamen Leser den Täter jedoch recht früh offenbart, was die Freude am Miträtseln schmälert. Nichtsdestotrotz ist The Girl ein spannender und gut durchdachter Kriminalroman, der schlüssig aufgelöst wird, wobei die Suche der Mädchen im Vordergrund steht und die polizeilichen Ermittlungen nur am Rande stattfinden.

© Knaur Verlag
The Girl – ein tödlicher Sommer ist ein Kriminalroman von Anna Yorck und 2018 erschienen im Knaur Verlag.
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Rezension: Palace of Silk – Die Verräterin von C.E. Bernard

Rea, zuerst Leibwächterin am englischen Königshof, dann heimliche Geliebte des Kronprinzen Robin, ist zu ihrem Bruder nach Paris geflüchtet. Dort kann sie als Magdalena leben, ohne eine Strafe zu befürchten, denn Hautkontakt ist in Frankreich nicht verboten. Doch ihre Vergangenheit holt sie ein, als Prinz Robin um die Hand von Ninon, der Schwester des Rois und Reas enge Freundin, anhält und zur Brautwerbung nach Paris kommt. Welches Spiel spielt Robin? Und welches Geheimnis verbirgt die unnahbare Madame Hiver, die Rea nicht aus den Augen lässt?

Für einen kurzen Moment erlaube ich mir, die Bilder zuzulassen. Wie es wäre, meine Feuerseide stolz zu zeigen, umgeben von Menschen, die ebenfalls ihre Farben tragen. Über den sonnigen Pont Alexandre zu marschieren, um das Recht auf freie Berührung zu schützen.

Buchgedanken:

Der zweite Teil der Palace-Saga spielt am Königshof in Paris und weist deutliche Parallelen zum ersten Teil auf, wodurch die Geschichte anfangs nicht zu fesseln vermag, erst im letzten Drittel nehmen die Ereignisse Fahrt auf. Die Geschichte dreht sich um das neue Leben in Paris, die Beziehung zu Robin und den Revolutionsgedanken, wobei die ambivalente Beziehung von Rea und Robin auf Dauer ermüdend ist. Die Gefühle von Rea nehmen viel Raum ein, wodurch die politischen Intrigen, das Schicksal der Magdalenen und die interessanten Nebenfiguren immer wieder in den Hintergrund rücken, was der Geschichte die Spannung und auch den Reiz nimmt.

Fazit:

Alles in allem ein schwächerer zweiter Teil, der nicht durchgehend zu fesseln vermag, kaum Überraschungen bietet und vor allem durch die originelle Idee und den französischen Flair zu überzeugen vermag. Dennoch gewinnt die Geschichte im Verlauf an Spannung und weckt die Neugierde auf den abschließenden Band, der am 23. Juli 2018 erscheint.

© Penhaligon Verlag
Palace of Silk – Die Verräterin ist ein Roman von C.E. Bernard und der zweite Teil der Palace-Saga, übersetzt von Charlotte Lungstrass-Kapfer und 2018 im Penhaligon Verlag erschienen.
9

Rezension: Die Sterne an unserem Himmel von Mahsuda Snaith

Ravine Roy hat ihr Zimmer seit 10 Jahren nicht mehr verlassen, denn sie leidet am Chronischen Schmerzsyndrom. Kleinste Bewegungen und Berührungen bereiten ihr Qualen. Alles hat mit einem Schicksalsschlag angefangen, der ihr auch ihre beste Freundin Marianne genommen hat. Als ihre Mutter ihr zum 18. Geburtstag ein Tagebuch schenkt, füllt Ravine es mit Erinnerungen an ihre Freundin und schreibt sich langsam zurück ins Leben…

Erinnerungen geben nur vor, sie würden irgendwann verschwinden, aber sie sind immer da. Immer bereit, dich auf dem falschen Fuß zu erwischen, dich daran zu erinnern, dass das Leben nie so einfach ist wie das, womit auch immer du dich gerade herumschlägst.

Buchgedanken:

Mahsuda Snaith hat einen berührenden Roman über ein junges Mädchen geschrieben, das sich aufgrund ihrer Krankheit von ihrer Umwelt isoliert und durch das Schreiben die kritischen Ereignisse in ihrem Leben langsam verarbeitet. Ravine ist geplagt von Schuldgefühlen und Verlassenängsten, in ihrem „Lebebett“ lässt sie die Tage verstreichen und verspürt keine Lust auf soziale Kontakte. Ihre Schmerzen sind spürbar und die Enge im sozialen Wohnungsbau wirkt fast erdrückend. Ravines Leben wird bestimmt durch ihre Krankheit, ihre Mutter ist ihre einzige Bezugsperson, doch je mehr sie sich mit ihrem Erinnerungstagebuch von der Seele schreibt, desto stärker und mutiger wird sie und nähert sich langsam und recht unbeholfen ihrer Umwelt wieder an, während der Leser ihrem Geheimnis und der Ursache ihres Leids auf die Spur kommt.

Fazit:

Eine warmherzige Geschichte über Freundschaft, Schicksalsschläge und die Macht der Gedanken, die zeigt, wie sehr unser Denken die Gefühle und das körperliche Wohlbefinden beeinflusst. Lebensnah geschildert mit authentischen Charakteren und leisem Humor.

© Piper Verlag
Die Sterne an unserem Himmel ist ein Roman von Mahsuda Snaith, übersetzt von Wibke Kuhn und 2018 im Piper Verlag erschienen.
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